Steven Spielberg © BANG Showbiz
„Bridge of Spies: Der Unterhändler“
Es ist ein grandioser Film über den Kalten Krieg und die Freundschaft zwischen einem Amerikaner und einem russischen Spion. Steven Spielberg hat einen unterhaltsamen Film mit Substanz gedreht.
Der Film „Bridge of Spies: Der Unterhändler“ feierte seine Weltpremiere beim New York Film Festival. Als ich mit Kollegen zur Pressevorführung ging, sprachen wir über Regisseur Steven Spielberg. Er ist einer der Giganten in Hollywood und wird selbstverständlich von vielen bewundert. Aber ich muss gestehen, dass ich schon eine Weile nicht mehr beeindruckt war von seinen Filmen. Klar, schlecht sind sie nie, aber so gut, dass man aus dem Kino kommt und denkt, wow, das hat mich umgehauen?
Sie denken vermutlich, ich habe den Verstand verloren und das ist jetzt eine Art Gotteslästerung. Aber schauen wir mal darauf, was er so in letzter Zeit gemacht hat: 2008 drehte er „Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels“. Ich fand den Film grausam schlecht und wünschte, mein Gehirn hätte eine Taste wie mein iMac und ich könnte ihn völlig aus meinem Gedächtnis löschen. „Die Abenteuer von Tim und Struppi – Das Geheimnis des Einhorns“ (2011) – basierend auf den Comicbüchern mit Tim und Struppi, die ich als Kind über alles liebte – ließ mich leider völlig kalt. „Gefährten“ (2011) – au Backe! Ich kann mich heute am besten an Benedict Cumberbatch und die genialen Pferde erinnern, den Rest eher nicht. „Lincoln“ (2012) – ein wichtiger Film als Thema und wo Daniel Day-Lewis uns mal wieder umgehauen hat, weil er so genial ist. Aber mochten Sie den Film? „Lincoln“ dauerte drei Stunden lang, fühlte sich aber an wie eine 6-stündige Geschichtsstunde. Ich bin nur ehrlich.
Deshalb war ich umso glücklicher „Bridge of Spies: Der Unterhändler“ zu sehen. Die Story ist auch heute noch spannend und relevant. Aber er war auch sehr unterhaltend, super gedreht und geschauspielert. Worum es geht? Tom Hanks spielt einen Versicherungsanwalt, der einen russischen Spion vor Gericht vertreten muss, im Amerika der 50er Jahre dem Kommunismus verhasst war. Dem Spion steht die Todesstrafe zu, aber James B. Donovan (Hanks) schafft es dies zu vermeiden. Dafür muss er aber Rudolf Abel (gespielt von Mark Rylance) gegen zwei amerikanische Geiseln tauschen. Während dieser ganzen Phase freunden sich die beiden Männer an.
Tom Hanks © Getty Images
Tom Hanks kollaboriert mit Steven Spielberg zum vierten Mal. Die letzte Zusammenarbeit „Terminal“ liegt aber schon eine Weile zurück – das war 2004. Hanks ist in „Bridge of Spies: Der Unterhändler“ in Topform und beeindruckt in der Rolle. Über die Zusammenarbeit sagte er: „Man möchte nie seinen letzten Spielberg Film gemacht haben. Deshalb muss man alles tun, um ihn zufrieden zu stellen.“
Der Mann, der allerdings viele Szenen stiehlt, ist Mark Rylance. Er spielt den Spion Rudolph Abel und es ist seine bisher größte Rolle in einem Film. Sein Name sagt Ihnen vermutlich nichts, aber am Theater ist er eine Legende. Rylance gewann bereits drei Tonys und zwei Olivier Awards. Es ist noch sehr früh, aber ich möchte fast wetten, dass er als bester Nebendarsteller für den Oscar nominiert wird (ich habe das schon in meinem Bericht über das NYFF geschrieben und ich bleibe dabei!). Der englische Schauspieler schrieb auch Theaterstücke und führte Regie. Angesprochen auf die Preisungen der Filmkritiker und den Oscar-Buzz sagte er nur bescheiden. „Mir ist aufgefallen, dass man die Rolle positiv aufgenommen hat. Aber ich bin schon eine Weile dabei und die meisten Leute kennen mich nicht. Ich bin wie eine altes Auto, das sie noch nie gesehen haben.“ Das mit dem Bekanntwerden könnte sich diese Award Season ja schnell ändern.
Ulkigerweise waren Hanks und Rylance beide in einem dunkelgrauen Anzug und einem Hut zur Weltpremiere in New York erschienen, was Kollege Alan Alda scherzhaft zu der Frage hinriss „Seit wann tragt ihr eigentlich den selben Hut?“. Es war wohl ein Symbol dafür, dass die beiden Schauspieler sich seit den Dreharbeiten gut angefreundet haben.
Mark Rylance © Getty Images
„Wir sind gemeinsam unsere Szenen durchgegangen – denn wir hatten sehr viel Stoff im Film“, sagte Hanks, „es wäre etwas komisch gewesen, wenn wir uns zum ersten Mal am Drehtag getroffen hätten.“ Beide Schauspieler bewunderten die Arbeit des anderen und alles lief wohl wie „geschmiert“. „Die Arbeit an einem Film ist nicht sehr viel anders als am Theater“, sagt Rylance, „man arbeitet am Theater mehr mit der Stimme und im Kino hat man Close-ups und kann mehr mit dem Gesicht und Augen machen.“
Auch Spielberg gab sich stolz über seine Besetzung: „Ich suche immer Schauspieler aus, die mit 1000 Ideen für ihre Rolle kommen. Ich helfe gern, wenn sie Fragen haben, aber ich arbeite gern mit den Profis, die ihre Charaktere selbst finden können.“ Da hat er diesmal wieder einen Jackpot gelandet. Denn „Bridge of Spies: Der Unterhändler“ ist wirklich ein sehenswerter Film über den Kalten Krieg.
Julide Tanriverdi
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Chebli Mohamed