Daniel Craig © BANG Showbiz
Hält der neue Streifen um den Agenten was er versprochen hat?
Daniel Craig nimmt oft kein Blatt vor den Mund. Im jüngsten Interview mit „Time Out London“ war er aber in ungeschliffener Manier – jedenfalls mehr noch als sonst. Gefragt, ob er James Bond noch einmal spielen wird, antwortete er: „Jetzt? Ich würde lieber dieses Glas vor mir nehmen und mir damit die Pulsadern aufschneiden.“ Und auf die Frage, wer sein Nachfolger werden könnte, antwortete er: „I don´t give a fuck“ – in etwa „Interessiert mich einen Scheiß.“ Autsch!
Sony soll dem Schauspieler einen Maulkorb gegeben haben. Craig würde nach eigenen Angaben nur für das Geld einen weiteren Bond machen. Sowas hören Studioköpfe natürlich gar nicht gern. Auch wenn Craig beim erfolgreichsten aller Bond-Filme „Skyfall“ mitgewirkt hat. Fakt ist, dass der Vertrag mit dem Schauspieler neu verhandelt werden muss. Hat das Studio Bock auf so einen negativ eingestellten Star? Auch wenn seine ungehobelte Art seiner Version von James Bond einen gewissen Flair gibt und noch cooler und realer erscheinen lässt. Sympathien spielen aber nun mal überall eine Rolle.
Vielleicht war der notorische Interview-Hasser einfach nur bei schlechter Laune oder müde von den Dreharbeiten. Als Regisseur Sam Mendes „Skyfall“ beendet hatte, war er auch so erschöpft, dass er es ablehnte „Spectre“ zu drehen. „Ich wollte mich nur unter der Bettdecke verstecken“, sagte er dem Magazin „Entertainment Weekly“. Mendes überlegte es sich dann aber doch noch anders: Weil er M (Judi Dench) umgebracht hatte, konnte man die Story um den berühmten Spion als einen Reboot sehen – und das schien ein neuer, interessanter Ansatz zu sein. Er castete Christoph Waltz als Bösewicht, der James Bond emotional machen könnte (ich will nur soviel verraten, dass Bond und Oberhauser sich schon einmal begegnet sind). Monica Bellucci und Lea Seydoux sind die Bond-Girls. Ben Whishaw ist zurück als Q und Ralph Fiennes als M.
Christoph Waltz
Ich habe „Spectre“ gesehen und war ehrlich gesagt nicht so angetan. Es ist natürlich schwer den Erfolg von „Skyfall“ zu wiederholen, aber der Film fällt insgesamt viel flacher aus. Ein Grund ist, dass das Genie namens Roger Deakins an der Kamera für „Skyfall“ saß. Alles war so wunderschön und artistisch gedreht, dass der Bond sich einfach über andere Filme erhob. Es war ein Fest für die Augen. Seine Handschrift fehlt in „Spectre“ und die exotischen Orte sehen nicht ganz so aufregend aus wie sonst – egal, ob es die Eröffnungsszene in Mexico City ist (meiner Meinung nach nicht besonders spektakulär) oder die österreichischen Landschaften (man bekommt sie nur einen Moment zu sehen, da die Handlung innerhalb eines Gebäudes stattfindet). Eigentlich schade, denn die ungewöhnlichen Locations sind sonst ein echter Hingucker in Bond-Filmen.
Monica Bellucci und Léa Seydoux © Getty Images
Auch schien der Bösewicht Silva (Javier Bardem) in „Skyfall“ gefährlicher und bedrohlicher. Während es diesmal einen interessanten Schlenzer zu einem der älteren Bond-Filme gibt (Achtung, weiße Perserkatze….) war ich über den Masterplan des Bösewichtes eher enttäuscht. Auch gibt es diverse Szenen, wo man sich fragt, ob James Bond selber einen Plan hat – denken Sie an mich, wenn Sie die Szene sehen, wo er mit Madeleine (Lea Seydoux) in der Wüste wartet und dann in einen geheimen Bunker geht. „Spectre“ fühlt sich ein wenig wie ein Abschluss für Daniel Craig an, da seine vier Filme in gewisser Weise inhaltlich verbunden wurden. Insgesamt fiel der Bond nicht besonders kreativ aus und lässt einen nicht nach mehr hungern.
Das alles tat dem Boxoffice aber keinen Abbruch: In England bricht „Spectre“ Rekorde, aber ich denke, das liegt vor allem an der hohen Erwartung nach „Skyfall“. Aber natürlich stehen Zuschauer auf James Bond und freuen sich schon, wenn er seinen Namen sagt und den legendären Martini geschüttelt, nicht gerührt bestellt. Und Christoph Waltz fand die richtigen Worte, um den Mythos Bond zu erklären, warum alt und jung den Spion so sehr lieben (er machte seinen Job richtig gut, lobte „Spectre“ und hob seine Liebe zu James Bond hervor): „Ich war zu jung, um James Bond zu gucken, denn 1962 spielte ich noch mit Autos. Aber das Spielzeugauto war ein Aston Martin mit einem kleinen James Bond im Sitz und man konnte ihn rausschleudern und das Auto hatte sogar kleine Raketen. Schon damals gab es dazu Promotions-Artikel. Es ist keine neue Idee, glauben sie mir, und ich finde es interessant, weil es dasselbe für die Kinder heute ist. Sie kennen die Mythologie, den Helden – sie spielen damit. Sie wachsen damit auf ohne den Film gesehen zu haben und das würde ich populäre Kultur nennen.“
Julide Tanriverdi
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via Chebli Mohamed
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