mercredi 4 novembre 2015

Zu dünn für Spielberg

Matt Damon

Matt Damon © BANG Showbiz

Gemeinsam mit Ben Affleck zum Erfolg

Matt Damon war 16 und sein bester Freund Ben Affleck 14, als die beiden ein gemeinsames Konto eröffneten. Sie zahlten alles, was sie durch ihre Schauspieljobs verdienten, ein und hoben nur Geld ab, wenn sie wegen eines Vorsprechens nach New York fahren mussten. Oder zehn Dollar für ein Videospiel brauchten. Viele Aufträge hatten sie nicht – ein Werbespot hier, ein kleiner Fernsehauftritt da – doch die beiden nahmen ihre Sache ernst. Mit 18 bewarb Damon sich für einen Studienplatz an der Eliteuniversität Harvard. Sein Motivationsschreiben begann er mit dem Satz: „Seit ich denken kann, wollte ich Schauspieler werden“. Er wurde angenommen, brach sein Englischstudium aber vier Jahre später, kurz vor seinem Abschluss, ab. Stattdessen zog er zu Ben und dessen Bruder Casey nach L.A. und setzte all seine Hoffnungen in den Film „Geronimo“, der ihn endlich groß rausbringen sollte. Doch der Erfolg blieb aus. Weitere Rollenangebote vorerst auch. Innerhalb der nächsten vier Jahre wirkte Damon in gerade mal drei Filmen mit. In seiner Freizeit, und das war wohl das einzige, von dem er damals mehr als genug hatte, spielte er Videospiele und tüftelte mit Ben an einem gemeinsamen Drehbuch.

 

Als man ihm 1996 schließlich die Rolle des traumatisierten und opiumabhängigen Soldaten in „Mut zur Wahrheit“ anbot, sah Damon darin seine große Chance, allen zu beweisen, was in ihm steckte. Vier Monate lang lief er morgens und abends jeweils zehn Kilometer und ernährte sich ausschließlich von Hühnchen, Eiweiß und einer Bratkartoffel pro Tag – ohne Butter, ohne Salz. Dazu viel Kaffee und noch mehr Zigaretten. Zwei Tage stand er, inzwischen von 81 Kilo auf 62 Kilo abgemagert, vor der Kamera. Danach dauerte es beinahe zwei Jahre, bis sein Körper sich vollständig von den lebensgefährlichen Strapazen erholt hatte. Und in den Kritiken wurde er nicht einmal erwähnt. Matt Damon war kurz davor alles hinzuschmeißen. Dabei sollte sein Kindheitstraum schon bald in Erfüllung gehen.

Matt war acht Jahre alt, als er seiner Mutter erklärte, dass er Schauspieler werden wollte. In Ben Affleck, seinem Cousin zehnten Grades, fand er einen Verbündeten und Gleichgesinnten. Sie gingen zur selben Schule, nahmen zusammen Schauspielunterricht und hielten „Business Meetings“ ab, um ihre beruflichen Perspektiven zu besprechen. Ohne Ben, betont Damon heute, hätte er es nie so weit gebracht. Ben war es auch, zu dem er mit seinem Einakter kam, den er für einen Kurs an der Uni verfasst hatte. Gemeinsam bauten sie das Stück aus, schrieben 1500 bis 2000 Seiten, spielten die Szenen durch und improvisierten neue. Das Ergebnis war das Drehbuch zu „Good Will Hunting“. 1997 sicherte das Filmstudio Miramax sich die Rechte und willigte ein, die Hauptrollen mit Damon und Affleck zu besetzen. Gus Van Sant konnte für die Regie gewonnen werden, Robin Williams für den Part des Psychologen. Der Film über ein vorbestraftes Mathematik-Genie wurde zum Überraschungshit des Jahres und brachte den beiden Autoren einen Oscar und einen Golden Globe ein. Ein weiterer Oscar ging an Robin Williams als bester Nebendarsteller. Insgesamt erhielt der Film neun Oscar-Nominierungen.

Doch noch bevor „Good Will Hunting“ in die Kinos kam, gelang es Matt Damon bereits, sich die nächste Hauptrolle zu sichern. Dank Robin Williams. Denn dieser stellte ihm Steven Spielberg vor. Matt hatte zwar bereits ein Bewerbungsvideo für dessen Projekt „Der Soldat James Ryan“ abgeschickt, es ist jedoch unwahrscheinlich, dass dieses es bis zum Regisseur geschafft hat. Als Spielberg wissen wollte, wo Damon bisher mitgespielt hatte, erwähnte dieser „Mut zur Wahrheit“. Worauf Spielberg antwortete, dass er den Film gesehen und Damon darin sehr gut gefunden hatte. Er habe sogar überlegt, ihm die Rolle des James Ryan anzubieten, den Gedanken aber wieder verworfen, weil er ihn zu  dünn gefunden hatte. Matt Damon, mittlerweile wieder normalgewichtig, bekam den Part. Und danach noch viele weitere. Heute zählt der 45-Jährige dank Filmen wie „Ocean’s Eleven“, „The Bourne Identity“ oder zuletzt „Der Marsianer – Rettet Mark Watney“ zu den erfolgreichsten Schauspielern Hollywoods. Insgesamt hat er in rund 60 Filmen mitgewirkt. Mittlerweile haben seine Prioritäten sich aber geändert. Heute stehen seine Frau und seine vier Töchter an erster Stelle. Sehr zur Freude einer amerikanischen Schulklasse. Denn als Matt Damon die Chance hatte in Clint Eastwoods Film „Invictus“ mitzuspielen, war er hin und hergerissen. Das Projekt reizte ihn sehr, allerdings wurde in Südafrika gedreht, was bedeutete, dass er für längere Zeit von seiner Familie getrennt sein würde. Um das zu verhindern, nahm er sie einfach mit. Und die Lehrer und Mitschüler seiner Tochter auch. Natürlich sei es teuer gewesen, meint er, doch hätte seine Familie nicht mitreisen können, hätte er das Angebot abgelehnt und letztendlich gar nichts verdient. Das leuchtet ein. Schade, dass „Der Marsianer“ „nur“ in Jordanien gedreht wurde.

Kim Kopacka

Hier geht es zum Lebenslauf von Matt Damon

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via Chebli Mohamed

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