Best of TIFF 2015: Was muss man gucken? Wo gibt es Oscar Favoriten?
Es ist immer dieselbe Frage, die mir nach einem Film Festival gestellt wird: Welche Filme waren gut, was lohnt sich? Das 40. Toronto Film Festival hat mich sehr busy gehalten. Ich habe 32 Filme für Sie angesehen. Hier ein kleiner Überblick meiner diesjährigen Lieblingsfilme:
Bekannt für „Being John Malkovich“ wird von Charlie Kaufman immer etwas Ungewöhnliches erwartet. Mit „Anomalisa“ enttäuscht er wie gewohnt nicht. Diesmal schenkt er uns einen Stop-Motion Film mit Marionetten: Ein einsamer Mann checkt in ein Hotel ein und sucht Nähe zu anderen Menschen. Die Szene, in der Marionetten Sex haben, ist rührend und komisch zugleich. Dabei hat er diesen Film mit Kickstarter finanziert. Sehenswert!
Mads Mikkelsen trägt Pudellocken, hat eine Hasenscharte und kann nicht aufhören zu masturbieren. Muss ich mehr sagen? Habe selten so viel gelacht in einem Film. Der Plot ist reiner Irrsinn, aber der dänische Drehbuchautor und Regisseur Anders Thomas Jensen hat sogar noch eine herzallerliebste Message am Ende. Würde ihn am liebsten noch mal sehen. In Dänemark, wo der Film schon lief, schafft er es auf Platz 1 am Boxoffice – verdient wie ich finde.
Dieser Film hat die meisten Kritiker beeindruckt und alle erwaten eine „Best Picture“ Oscar Nominierung. Er erzählt die Story einer Gruppe von Journalisten, die beim „Boston Globe“ arbeiten und den Skandal um Priester und Kindesmissbrauch aufdecken. Er hat die Qualität von „All the Kings Men“. Der Film von Tom McCarthy hat erstklassige Regie, eine wichtige Story und eine Reihe an Schauspielern, die ihr Bestes geben – vor allem Liev Schreiber (auch mit dabei Michael Keaton, Mark Ruffalo, Rachel McAdams). Alles ist hier stimmig.
Eine junge Mutter ist mit ihrem Sohn seit sieben Jahren in einem kleinen Raum eingesperrt. Der Film ist wirklich emotional und spannend zugleich, jede Minute bangt man um die beiden. Die Oscar Vermutung um die Darstellung von Brie Larson als junge Mutter ist nicht zu überhören. Auch Jacob Tremblay als ihr ihr 5-jähriger Sohn beeindruckt. Hier bleibt kein Auge trocken. Regie führt Lenny Abrahamson. Er hatte dafür Standing Ovations beim Telluride und Toronto Film Festival erhalten.
Könnte dies die erste Oscar Nominierung für Netflix werden? Der Film erzählt von Agu, einem kleinen Jungen, der während Unruhen in Afrika von seiner Mutter getrennt wird. Sein Vater und sein Bruder werden umgebracht. Auf der Flucht wird er von Rebellen aufgenommen, dessen Kommandant (Idris Elba) ihn zu einem Soldaten ausbildet. Vermutlich wird die Academy den Film nicht ehren – immerhin stehen sie quasi gegen die Industrie (Netflix zeigt den Film dennoch für kurze Zeit in den US-Kinos, um ihn zu qualifizieren). Iris Elba beeindruckt als Rebell und würde ebenfalls eine Nominierung verdienen. Newcomer Abraham Attah hat bereits einen Preis beim Film Festival in Venedig gewonnen. Ob Oscar oder nicht, „Beasts of No Nation“ von Regisseur Cary Fukunaga ist jetzt schon eine Sensation.
Matt Damon ist ein Astronaut, der versehentlich auf dem Planeten Mars zurückgelassen wird. Nun muss er überleben bis ein Raumschiff ihn wieder rettet – leider dauert das vier Jahre. Also wird er zum Farmer und McGyver auf dem Planeten und verliert dabei nicht den Humor. Fans des Buches auf dem der Film basiert – „Der Marsianer“ von Andrew Weir – werden etwas zu meckern haben (ugh, mussten sie das Ende verändern?), aber Matt Damon ist einfach ein geiler Mark Watney und verschmerzt deshalb alles. Ridley Scott hat endlich mal wieder einen guten Film hingelegt.
Überraschungen:
Was wäre, wenn Männer langsam aussterben würden, weil das Y-Chromosom nicht weitergegeben wird und Frauen sich auch ohne sie fortpflanzen könnten? Diese Mockumentary (ein Dokumentarfilm, der es nicht ganz ernst meint) geht dieser Frage nach und hat sehr lustige Ideen wie das funktionieren könnte. Zum Beispiel leben Männer in Schongebieten und Frauen schaffen Religion und Militär ab. Originell!
Vergangenes Jahr habe ich den Film „Good Kill–Tod aus der Luft“ gesehen, wo es darum ging, wie Krieg mit Drohnen geführt wird. Als ich den Plot von „Eye in the Sky“ las, dachte ich „schon wieder“? Denn auch hier geht es um Drohnen und Krieg. Doch Helen Mirren spielt eine knallharte Soldatin, die unbedingt eine Gruppe von Terroristen schnappen will. Der Film zeigt, wie Politiker in den Prozess eingebunden sind, was teilweise sehr zynische Züge trägt. Und zeitgleich sieht man den Einsätzen per Kamera zu. Erstaunlich spannend und informativ!
Sie kennen Filme, wo ein Bösewicht junge Leute jagt und einen nach dem anderen umbringt – wie zum Beispiel „Halloween“? So ist auch dieser Film – allerdings mit Witz. Hölzerne Dialoge, viel Blut und altbekannte Szenarien bekommen in „The Last Girls“ einen neuen Twist, weil das Grundthema der Verlust eines Elternpaares ist. Lustig und rührend zugleich. Wirklich originell.
Beeindruckende schauspielerische Leistungen mit Oscar Verdacht:
Ich dachte zuerst, Ok, Johnny Depp trägt blaue Kontaktlinsen, hat eine Halbglatze und sich insgesamt hässlich gemacht. Der Oscar liebt das ja. Aber nachdem ich den Film gesehen habe, muss ich sagen, wow! Es ist mehr als nur Make-Up – Depp verwandelt sich vollkommen in den Gangster Whitey Bulger, beinahe schon auf gruselige Weise. Depp kann schon mal seinen Smoking für die Oscarnacht bügeln lassen. Auch Joel Edgerton hat als Nebendarsteller gute Chancen. Grandios!
Tom Hardy spielt die Zwillinge Reg und Ron Kray im London der 50er Jahre. Beide sind Gangster und einer ist intelligenter als der andere. Man glaubt kaum, dass Hardy wirklich beide verkörpert. Es wäre echt an der Zeit, dass er nominiert wird – er ging trotz genialer Leistungen immer leer aus. Hoffen wir mal, dass er nicht wieder „übersehen“ wird. Hammer!
Bryan Cranston spielt den berühmten Drehbuchautor Dalton Trumbo, der blacklistet war – ein schwarzes Kapitel in der Geschichte von Hollywood. Die Story mag den historischen Hintergrund etwas vereinfachen, aber Cranston spielt den Autor, der gern in der Badewanne an seiner Schreibmaschine arbeitete, so gut, dass er vermutlich gute Chancen für eine Nominierung hat.
Maggie Smith spielt eine obdachlose Dame, die in einem Van wohnt und zum Leidwesen von vielen im Londoner Stadtteil Camden ihr Auto parkt, wo immer sie will. Der Einzige, der sie etwas länger als die anderen toleriert, ist der Autor Bennett, der gern mit sich selbst spricht (Alex Jennings in einer Doppelrolle). Doch der Hingucker ist hier trotzdem Maggie Smith, die diese Rolle auch im Theater spielte. Toll!
Alle reden von Eddie Redmayne, der Frauenkleider und Make-Up trägt, weil er einen Maler spielt, der sich als einer der ersten einer OP unterzog, um zu einer Frau zu transformieren. Ich persönlich fand ihn zu übertrieben (allein wie er immer seine Hände hält). Dafür hat mich Alicia Vikander in der Rolle als seine Frau Gerda beeindruckt. Mit der weniger offensichtlichen Rolle stahl sie ihm die Show. Und viele Kollegen gaben mir Recht. Vikander dürfte mit einer Nominierung rechnen. Und vermutlich auch Redmayne.
PS: Heute startet das New York Film Festival. Lesen Sie am Montag, was es dort für grandiose Filme gibt…
Julide Tanriverdi
Fragen? Kommentare? Dann schreiben Sie an Julide: holodeck@interzonenews.com
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via Chebli Mohamed
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