Joseph Gordon-Levitt © Getty Images
New York Film Festival: Regisseur Robert Zemeckis testet Ihre Höhenangst
Der Regisseur zeigte seinen neuesten Film „The Walk“ mit Joseph Gordon-Levitt auf dem NYFF und trieb uns Schweißperlen auf die Stirn.
Als der Franzose Philippe Petit 1974 ein Drahtseil zwischen den zwei Türmen des World Trade Centers spannte und ohne Sicherung seinen Balance-Akt zeigte, erstaunte er die Welt. Seine Geschichte ist so spannend und irre, dass James Marsh einen Dokumentarfilm mit dem Titel „Man On Wire“ drehte und damit 2009 den Oscar gewann (es gibt übrigens zahlreiche andere Filme über Petit. Ich erwähne hier nur den wichtigsten.). Auch Regisseur Robert Zemeckis (z.B.: „Zurück in die Zukunft“, „Forrest Gump“) war inspiriert von dem waghalsigen Franzosen, als er ein Kinderbuch mit der Story fand. Er drehte „The Walk“ mit Joseph Gordon-Levitt in der Hauptrolle, welcher als Eröffnungsfilm auf dem 53. New York Festival gezeigt wurde.
Der Film zeigt den historischen Hochseilakt in 3D und ich will es mal so ausdrücken: „Der Gebrauch dieser Technologie war noch nie so effektvoll“. Zum Ende des Filmes, wenn Gordon-Levitt erst den einen, dann den zweiten Fuß auf das Drahtseil stellt, schwenkt die Kamera vom 412 Meter hohen Turm nach unten und es wird einem im Kinositz schwindelig. Neben mir saß eine Dame, die überhaupt jedes Mal, wenn der Schauspieler an den Rand des Turmes trat nervös in ihrem Sitz herumrutschte und „Oh Jesus“ rief. Diese Sequenz ist wirklich spektakulär und testet die Höhenangst des Publikums.
Doch leider ist der Rest des Filmes irgendwie langweilig und fühlt sich unglaublich künstlich an. Und dass, obwohl Gordon-Levitt extra Hochseillauf von Philippe Petit selbst lernte und sein Bestes gibt (er spricht Französisch im Film, oder English mit französischem Akzent). „Er sagte mir, er würde es mir in acht Tagen beibringen“, so der Schauspieler lachend, „ich fand das etwas…ehrgeizig! Aber er war überzeugt davon, dass ich es lernen kann und dann glaubte ich das auch.“ Es ist wirklich bedauerlich, dass der Film insgesamt nicht an den Dokumentarfilm ranreicht (Petits Charme funktioniert irgendwie viel besser). Dazu kam noch, dass der Hochseilakt illegal war – es hätte also wie in einem Thriller sehr spannend werden können. Aber wirklich interessant sind nur die letzten 45 Minuten des Werkes. Das ist besonders schade, weil die Story so toll ist.
Rachel Weisz © Getty Images
Einen völlig anderen Film drehte hingegen der griechische Regisseur Giorgos Lanthimos. Und „anders“ ist hier der falsche Ausdruck – „seltsam“ und „total abgefahren“ trifft es besser. Wie soll ich bloß „The Lobster“ mit Colin Farrell, Rachel Weisz, Ben Whishaw und John C. Reilly beschreiben? Ich versuch es mal so: Farrell spielt einen Mann namens David, der Single ist und sich wie alle Singles in einem „Hotel“ melden muss. Dort hat er wie die anderen Insassen 45 Tage Zeit, um sich zu verlieben. Nur dann darf er wieder in die „Stadt“ zurück. Wenn man es in dieser Zeit nicht schafft, wird man in ein Tier der eigenen Wahl verwandelt. David entscheidet sich für einen Hummer (daher der Filmtitel). Alle anderen Singles, die sich nicht im Hotel melden, leben in einem Wald und werden mit Betäubungsgewehren gejagt. Ich weiß, es klingt absurd und diese andere Art von Gesellschaft klingt gruselig. „The Lobster“ ist allerdings eher rührend und komisch. Die Art wie im Hotel nach einem Partner gesucht wird, erscheint nicht sehr effektiv und ist dann doch wie im echten Leben (z.B.: die Idee, dass man etwas Gemeinsames haben muss). Trotz der verrückten Voraussetzungen ist der Film eine hervorragende Metapher für den Druck der Gesellschaft sich „paaren“ zu müssen. Ich finde, den Film brillant. In Cannes räumte dieses ungewöhnliche Werk den Jury Preis ab. Den sollten Sie unbedingt sehen (egal, ob man Single oder ein Paar ist, alle kriegen hier den Spiegel vorgehalten).
Das 53. New York Film Festival läuft noch bis zum 11. Oktober. Folgende Filme werden noch heiß erwartet:
Michael Fassbender © Getty Images
„Steve Jobs“ von Danny Boyle. Michael Fassbender spielt den Apple-Gründer.
„Bridge of Spies“ von Steven Spielberg. Tom Hanks spielt die Hauptrolle in diesem Drama, das im Kalten Krieg spielt.
„Carol“ von Todd Haynes. Cate Blanchett und Rooney Mara als lesbisches Paar im New York der in 1950er.
„Miles Ahead“ von Don Cheadle als Jazz-Legende Miles Davies, ebenfalls in der Hauptrolle.
„Where to Invade Next“ von Michael Moore. Er zeigt mal wieder den Stinkefinger und will im Namen von Amerika in europäische Länder einmarschieren.
Dies ist nur eine kleine Auswahl. Bleiben Sie also dran am Blog. Ich werde wie gewohnt für Sie berichten.
Julide Tanriverdi
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Hier geht es zum Lebenslauf von Colin Farrell
Hier geht es zum Lebenslauf von Michael Fassbender
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Hier geht es zum Lebenslauf von Cate Blanchett
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via Chebli Mohamed
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