Harrison Ford © Getty Images
Warum seine Entscheidung, Tischler zu werden, die beste für seine Karriere war.
Bevor meine 4-jährige Tochter auf den unaufhaltsamen rosa glitzernden Prinzessinnenzug aufsprang, war sie ein Star Wars Fan. Chewbacca nannte sie liebevoll Schnuffi, ihr grünes Yoda-Leiberl zog sie gar nicht mehr aus. Heute kann sie mit alldem nur noch wenig anfangen. Bei Harrison Ford hingegen scheint es andersrum zu laufen. Während der Dreharbeiten zu „Krieg der Sterne“ soll er sich noch über das Drehbuch beschwert und George Lucas vorgeworfen haben, dass man diesen Mist zwar niederschreiben, aber gewiss nicht sagen könne. Er plädierte dafür, dass Han Solo die Rückkehr der Jedi Ritter nicht überlebt und bezeichnete seiner Filmfigur als dumm wie Bohnenstroh. Heute sieht er das anders. Als Ford gemeinsam mit Chewbacca zum ersten Mal nach rund dreißig Jahren sein Raumschiff, den legendären Millennium Falcon, betrat, waren nicht nur die 200 Crewmitglieder und Schauspieler am Set ergriffen. „Es fühlte sich großartig an“, verriet der 73-Jährige später auf der Comic Con. „Ich war stolz und dankbar ein Teil davon sein zu dürfen.“ Harrison Ford zählt zu den kommerziell erfolgreichsten Schauspielern aller Zeiten. Zu verdanken hat er seine Karriere sowohl seinen schlechten Noten, als auch seinem Entschluss, Tischler zu werden.
Harrison Ford wurde 1942 in Chicago geboren. Sein Vater, ein irischer Katholik, war ein ehemaliger Schauspieler und Werbefachmann, seine Mutter, eine russische Jüdin, arbeitete als Sprecherin für Hörspiele. Als Kind war Harrison Mitglied der Pfadfinder und erreichte den zweithöchsten Rang, den sogenannten Life Scout. Die Schule interessierte ihn dafür weniger. Er war weder sportlich, noch bekam er gute Noten. Lediglich für das frisch gegründete Schulradio konnte er sich begeistern. Und es war seine Stimme, die dort als erste aus den Lautsprechern hallte. Am College lief es nicht besser. Um seinen Notendurchschnitt zu heben, beschloss er einen einfachen Kurs zu belegen und entschied sich für den Schauspielkurs. Dass man dafür auf der Bühne stehen musste, erfreute ihn zunächst weniger. Doch je mehr er sich mit der Schauspielerei beschäftigte, desto mehr faszinierte sie ihn. Für einen Abschluss reichte es dennoch nicht. Drei Tage vor Ende seines Studiums wurde er des Colleges verwiesen. Also stopften er und Mary Marquardt, seine damalige Freundin und spätere Ehefrau (die erste von drei), alles was sie hatten in seinen alten VW und machten sich auf den Weg nach L.A, um dort Fords Schauspielkarriere voran zu treiben.
Harrison Ford © Getty Images
Ford hatte Glück. 1966 wurde er im Rahmen des New Talent Program unter Vertrag genommen und verdiente 150 Dollar pro Woche. Glücklich war er damit jedoch nicht. Die Rollen, die er bekam, waren klein und unbedeutend. Meist schien sein Name nicht einmal im Abspann auf. Und leben konnte man davon erst recht nicht. 1970 kaufte er schließlich ein altes, baufälliges Haus für seine mittlerweile vierköpfige Familie und beschloss, es selbst herzurichten. Er besorgte sich Werkzeug und lieh sich Bücher über das Tischlern aus der Bibliothek aus. Bald wurden auch andere auf seine Tischlerarbeiten aufmerksam. Seinen ersten großen Auftrag bekam er vom brasilianischen Musiker Sérgio Mendes. Für ihn baute er ein Tonstudio. Er arbeitete auch als Roadie und Kamera-Assistent für die „Doors“ und ging mit ihnen auf Tour. Sein Ziel, Schauspieler zu werden, verlor er dabei jedoch nicht aus den Augen.
1973 sollte er einen Schrank für einen jungen Mann namens George Lucas bauen. Dieser war gerade dabei einen Low-Budget Film über seine Kleinstadtjugend zu drehen und bot Ford eine wichtige Nebenrolle darin an. „American Graffiti“ wurde zum Überraschungshit. Danach heuerte Francis Ford Coppola, der Produzent des Coming of Age-Films, Ford für zwei weitere Filme an. Zwischen den Dreharbeiten baute Harrison Ford dessen Büro um. Seinen großen Durchbruch hat er allerdings Fred Roos, dem Casting Director von „Der Pate“ und „American Graffiti“ zu verdanken.
Harrison Ford © Getty Images
Denn als George Lucas 1976 auf der Suche nach Schauspielern für sein nächstes Projekt – „Krieg der Sterne“ – war, wollte er lauter neue Gesichter sehen. Daher kam Ford für ihn zunächst nicht in Frage. Er ließ die Schauspieler jeweils in Dreiergruppen vorsprechen – bestehend aus einer Leia, einem Luke und einem Han. Als sich herausstellte, dass er einen Han zu wenig hatte, mischte Roos sich ein und schlug Harrison Ford vor. Wie die Geschichte ausging ist bekannt. Fords Gage betrug damals 10.000 Dollar. Im Vergleich zu den 500 Dollar, die er für „American Graffiti“ verdient hatte, eine beachtliche Steigerung, aber nur ein geringer Prozentsatz von dem, was noch auf ihn zukommen sollte. Doch das konnte damals niemand ahnen. Am wenigstens George Lucas selbst. Bevor der Film herauskam, führte er einer Gruppe befreundeter Regisseure eine Rohfassung vor. Steven Spielberg war der einzige, der prophezeite, dass der Film Millionen einbringen würde. Alle anderen hatten viel an dem Streifen auszusetzen. Brian de Palma bezeichnete „Krieg der Sterne“ sogar als den ‚schlechtesten Film, der je gemacht wurde‘. Und Lucas konnte es ihm nicht einmal übel nehmen, denn er glaubte selbst nicht an den Erfolg seines Projektes. Statt zur Premiere zu gehen, flog er daher mit Spielberg nach Hawaii, wo die Idee für ein gemeinsames Projekt geboren wurde – „Jäger des verlorenen Schatzes“. Wieder wehrte Lucas sich dagegen, Ford zu besetzen. Er wollte nicht all seine Filme mit demselben Hauptdarsteller drehen. Doch da Tom Selleck die Rolle des Indiana Jones nicht annehmen konnte, weil er sich bereits für „Magnum“ verpflichtet hatte, rückte Harrison Ford nach, und wurde so zum Superstar. Er wurde sogar so berühmt, dass man seine kleine Rolle aus Spielbergs nächstem Film, „E.T. – Der Außerirdische“, herausstrich, weil man befürchtete, ein Auftritt von Ford könnte das Publikum ablenken.
Heute, vier Jahrzehnte nach seinem großen Durchbruch, steht Harrison Ford immer noch vor der Kamera. So wie früher. Außer dass er vielleicht etwas mehr Glück und Dankbarkeit empfindet, was unter anderem an den Unfällen liegen könnte, die er in letzter Zeit hatte. Denn 2014 krachte ihm kurz nach Drehbeginn die Tür des legendären Millennium Falcon auf seinen Fuß und im März diesen Jahres stürzte der Hobbypilot mit einem einmotorigen Propellerflugzeug ab und brach sich dabei das Becken. Bleibt zu hoffen, dass er es in Zukunft ein bisschen ruhiger angeht, denn nach Han Solo soll auch Indiana Jones bald auf die Kinoleinwand zurückkehren.
Kim Kopacka
Hier geht es zum Lebenslauf von Harrison Ford
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via Chebli Mohamed
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