vendredi 29 janvier 2016

Tarantino: „Ich bin in meiner Western-Phase“

Quentin Tarantino

Quentin Tarantino © Getty Images

Mit „The Hateful Eight“ liefert Quentin Tarantino nach „Django Unchained“ seinen nächsten Western. Oder so scheint es auf den ersten Blick. In einem Interview erklärt der Kult-Regisseur warum da durchaus mehr dahinter steckt.

Quentin Tarantino liebt Filme. Das ist kein Geheimnis. Deshalb lässt er oft keine Gelegenheit aus, um alte Filme in irgendeiner Form zu ehren. Für „The Hateful Eight“ entstaubte er alte Linsen aus Hollywoods Archiven: Die Ultra Panavision Linsen wurden für Filme wie „Ben Hur“ (1959) oder „Eine total, total verrückte Welt“ (1963) benutzt und seitdem diese zuletzt 1966 für „Khartoum – Aufstand am Nil“ eingesetzt worden waren, schimmelten sie vor sich hin. Tarantino schoss den Western auf 70mm Film und da nur noch wenige Kinos die Kapazität haben (viele sind längst auf digital umgestiegen), machte sich die Weinstein Company die Mühe spezielle Projektoren in einigen Kinos zu installieren. Es muss schön sein Tarantino zu heißen, denn der Aufwand würde kaum einem anderen Regisseur zuteil werden.

 

 

„The Hateful Eight“ wird vermutlich selbst seine hartgesottenen Fans überraschen. Zum einen ist der Film drei Stunden lang. Er hat eine Overture, die Komponisten-Legende Ennio Morricone eigens für ihn geschrieben hat, und in der Mitte eine Intermission. Hinzu kommt, dass man wirklich darüber streiten könnte, ob es ein Western ist. Kurzinhalt: Sieben Männer und eine Frau schneien in einer Hütte ein und es geht rund. Aber die ersten 90 Minuten des Filmes passiert eigentlich nichts außer, dass vier Leute in einer Kutsche von A nach B fahren und sie dabei nonstop reden. Dieser erste Teil vor der Pause könnte ein Theaterstück sein. Und nach der Pause? Die Story ist eine Kombination aus einem Agatha Christie Krimi und John Carpenters „Das Ding aus einer anderen Welt“. Kann man es einen Western nennen, nur weil Leute Cowboyhüte tragen? Ich lasse das mal so stehen, damit jeder das für sich entscheiden kann, wenn er den Film sieht. Für meinen Geschmack könnten die Dialoge in diesem Film – die Tarantino genial und feurig schreibt wie keine anderer – durchaus kürzer sein. Ich war insgesamt mehr irritiert als begeistert – obwohl ich ein Riesenfan von ihm bin!

In dem Interview in New York gab er durchaus zu, dass „Das Ding aus einer anderen Welt“ eine Rolle gespielt hat, warum er wieder einen Western schrieb und warum er vielleicht als nächstes beim Fernsehen oder am Theater arbeiten will.

Quentin Tarantino

Quentin Tarantino © Getty Images

Nach „Django Unchained“ ist dies Ihr zweiter Western. Hatten Sie die Idee zu „The Hateful Eight“ während Sie an dem anderen Film arbeiteten?
„Es gibt eine Kette, die zu „Django Unchained“ zurückführt. Ich würde sagen, ich bin in meiner Western-Phase. Ich mache Filme in bestimmten Genres. Ich weiß immer, was ich machen will, aber nicht wie. Wie beispielsweise die Martial Arts Szenen in „Kill Bill“. Ich lerne in der Regel wie man die dreht während ich es mache. Ich bin stolz darauf, dass ich alles so gut hinkriege, aber dann mache ich nicht wieder einen Martial Arts Film. Dasselbe mit dem Autorennen in „Death Proof – Todsicher“. Mit „Django Unchained“ habe ich gelernt wie man einen Western macht und dachte, ich bin diesmal mit diesem Genre noch nicht fertig. Ich hatte das Gefühl, ich hätte mehr zu sagen und wollte deshalb noch einen machen.“

Sind Sie diesmal fertig oder kommt noch einer?
Wir werden sehen. Der dritte könnte im Fernsehen landen. Ich habe da eine Sache, an der ich die Rechte besessen haben, dann wieder verlor und dann wiederbekam. Das Werk schreit förmlich danach gedreht zu werden. Es ist ein Buch von Elmore Leonard und heißt „Forty Lashes Less One” und bietet sich als Miniserie an. Ich glaube außerdem, dass man sich nicht einen Western-Regisseur nennen kann, wenn man nicht mindestens drei Filme in dem Genre gemacht hat. Also, wenn man sich auf dieselbe Ebene wie Budd Boetticher, Anthony Mann and Sam Peckinpah stellen will, geht das wirklich nicht!“ (lacht)

Wenn es fürs Fernsehen wäre, würden Sie dann immer noch auf Film drehen?
„Klar! Ich werde niemals digital drehen.“

Wann hatten Sie die Idee dem Western ein Krimi-Element zu verpassen?
„Ich fand es bot sich an für die Story und es schien interessant. Ich liebe Krimis und finde es gab schon eine ganze Weile keinen mehr. Ich dachte, es würde die Zuschauer gut unterhalten. Ich erinnere mich, als ich Sam Jackson das Drehbuch schickte und fragte, was ist dein liebster Teil? Und er antwortete, „Der Teil wo ich anfange zu schnallen, was los ist und ich mich einen Hercule Negro verwandele!“ (Anmerkung: Es ist ein Wortspiel, das bedeutet, dass er ein schwarzer Hercule Poirot ist – ein Charakter aus Agatha Christie Romanen). SO haben wir ihn dann auch den ganzen Dreh über genannt.“ (lacht)

Der Film ist drei Stunden lang…
„Ich sehe es wie ein Gummiband. Wenn es sich nicht lang ziehen lässt, ist es vielleicht ein langweiliger Film. Das Gummiband ist in diesem Fall die Gewalt. Es spannt sich den ganzen Film über und man weiß, die Gewalt wird kommen, aber nicht wann. Und man ahnt, dass es schlimm wird, wenn es passiert. Ganz ehrlich, wenn mir das nicht gelingt und den Schauspielern es nicht gelingt die Spannung zu halten, dann ist der Film wohl nicht sehr gut. Aber ich wette, dass es uns gelingt! (lacht)

Quentin Tarantino

Quentin Tarantino © Getty Images

Wie wichtig war die Zusammenarbeit mit Ennio Morricone?
„Es war ein Traum, wirklich ein Traum. Wir haben schon in den letzten Filmen zusammen gearbeitet, aber für diesen Film dachte ich, brauchen wir eine Overture und seine ganz eigene Filmmusik. Er braucht seine eigene Persönlichkeit und sein eigenes Thema. Ich habe ihn gefragt und als er interessiert war, habe ich ihm das Drehbuch ins Italienische übersetzten lassen und zugeschickt. Er las es, seine Frau las es und auch sein Sohn. Alle mochten es. Vor allem seine Frau – ich glaube, das hat mir sehr geholfen. (lacht) Dann haben wir uns getroffen. In seiner Wohnung im Rom – diese wunderschöne Wohnung, vielleicht die schönste Wohnung, die ich je gesehen habe. Wir sprachen und waren uns einig. Einige Tage später sagte er mir, er würde mir mehr als die 12 Minuten, die ich wollte schreiben. So wurden aus 12, 22, dann 32. Er war einfach inspiriert. Und er hat den Film erst in London bei der Premiere gesehen. Er komponierte zum Drehbuch.“

Einige Kritiker nennen „The Hateful Eight“ einen Horrorfilm. Was halten Sie davon?
„Das ist recht interessant. Vor allem die Franzosen halten ihn für einen Horrorfilm. Ich bin mir nicht so sicher. Klar, sind da gruselige Szenen drin, aber das hat mich schon überrascht. Ich denke, der Film ist nicht von einem anderen Western inspiriert. Ganz sicher hat er eher was mit „John Carpenters „Das Ding aus einer anderen Welt“ zu tun. Ich meine, es ist ein Film, der auch Kurt Russell drin hat und Musik von Ennio Morricone. Selbst Reservoir Dogs war von „Das Ding aus einer anderen Welt“ beeinflusst. Und natürlich sind diese Charaktere gefangen in einem Raum und draußen tobt ein Schneesturm. Alle sind etwas paranoid. Niemand kann sich gegenseitig vertrauen. Ich kann das alles nicht leugnen.“

Gibt es ein Genre, dass Sie noch nicht angegangen sind, aber Lust darauf hätten?
„Ich glaube, ein Gangster-Film aus den 30ern wäre eine klasse Sache – so wie „Bonnie & Clyde“ oder „Dillinger“. Das ist etwas, was ich noch nicht gemacht habe. Aber ich würde es auch nicht ausschließen, dass sich ein Theaterstück mache. Ich finde „The Hateful Eight“ bietet sich fast dafür an.“

Julide Tanriverdi

Fragen? Ideen? Kommentare? Schreiben Sie Julide eine Email an holodeck@interzonenews.com

 

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via Chebli Mohamed

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