Steve Golin, Blye Pagon Faust, Nicole Rocklin und Michael Sugar © Getty Images
Endlich ein Film, der die Auszeichnung wirklich verdient hat.
Den Erfolg von „Spotlight“ habe ich schon im vergangenen September vorausgesagt. Ich sah den Film damals beim Toronto Film Festival und habe damals in meinem Blog eine „Best Picture Nominierung“ beim Oscar prophezeit. Insgesamt hatte der Film von Tim McCarthy sogar sechs Nominierungen. Und räumte dann den wichtigsten Preis – nämlich „Best Picture“ – ab und schlug so den Favoriten „The Revenant“. Auch im Bereich Drehbuch gewann Spotlight „Original Screenplay“. Ein paar Tage zuvor hatte der Film übrigens auch den Preis „Bester Film“ beim Independent Spirit Awards gewonnen.
Ehrlich gesagt macht mich das alles sehr glücklich. Es ist der beste Film seit „All The President´s Men“ über die Arbeit von Reportern und zudem ein wichtiges Thema. Gerade als Journalistin begeistert mich das, denn es erinnert mich daran, warum ich eigentlich diesen Beruf ergreifen wollte – wie so viele andere Kollegen auch. „Spotlight“ macht deutlich, warum wir Zeitungen brauchen und warum guter Journalismus so wichtig ist. In einem Zeitalter, wo Menschen immer weniger lesen und allgemein geglaubt wird, dass das Internet mit seinen kurzen Meldungen und Schlagzeilen ausreicht, wird einem hier vorgeführt, warum das eben nicht so ist. Ich wünschte, der Film würde mehr Leute dazu bringen wieder Zeitungen zu kaufen und somit das Sterben so vieler Printmedien aufhalten. Aber mir ist klar, dass das nur Wunschdenken ist.
Worum geht es in “Spotlight“?
2001 begann die Tageszeitung „Boston Globe“ mit einer kleinen Gruppe von Journalisten einen katholischen Priester genauer unter die Lupe zu nehmen, weil dieser unter Verdacht stand, Kinder missbraucht zu haben. Ihre langwierige Recherche deckte dann einen ganzen Skandal auf, indem insgesamt 70 Priester verwickelt waren. Die Artikel, die 2002 erschienen, deckten auf, dass die Kirche zudem von dem Missbrauch wusste und nichts tat. Ja selbst die Stadt Boston vertuschte einige Fakten. In den Rollen der Reporter sind talentierte Schauspieler wie Michael Keaton, Mark Ruffalo, Liev Schreiber, John Slattery und Rachel McAdams zu sehen, die hier alle grandiose und sehenswerte Arbeit leisten.
Regisseur ist Tom McCarthy. Sein letzter Film war der unsägliche Streifen „The Cobbler“ mit Adam Sandler. Er kehrt hier zu seiner alten Form zurück. Denn „The Station Agent“ und „The Visitor“ (das sind zwei der fünf Filme, die er bisher gemacht hat) waren sehenswerte Filme und diesmal ist ihm mit „Spotlight“ sogar ein Meisterwerk gelungen. Wir werden ganz sicher in Zukunft mehr gute Sachen von ihm zu sehen kriegen. Denn es ist nicht nur wirklich spannend die Hintergründe der aufwendigen Recherche – ganz „old school“ mit Notizblock, an Türen klopfen und mit Menschen sprechen statt Google zu benutzen – zu verfolgen, auch die Story ist ergreifend. Vielleicht nimmt er einen so mit, weil der Film auf einer wahren Begebenheit basiert. Am Ende des Films gibt es eine lange Liste mit einer Statistik über Kirchen, wo Kindesmissbrauch nachgewiesen werden konnte – da kriegt man eine Gänsehaut, so gruselig ist dieser lange Abspann. Denn allein in Boston waren es insgesamt 70 Priester, die mehr als 1000 Kinder missbraucht hatten. Die Tageszeitung „Boston Globe“ gewann den Pulitzer Preis für diese Enthüllungen.
Produzent Michael Sugar sagte bei den Oscars, dass er hofft, dass der Film dazu beiträgt, dass das Stillschweigen über Kindesmissbrauch nicht weiter toleriert wird. Er richtete sich sogar an Papst Franziskus: „Es ist Zeit die Kinder zu beschützen und den Glauben wieder herzurichten.“ Ich glaube, mehr muss ich diesen Film nicht anpreisen. Gehen Sie rein, schauen Sie ihn unbedingt. Sie werden nicht enttäuscht sein.
Fragen? Ideen? Kommentare? Schreiben Sie Julide eine Email an holodeck@interzonenews.com
Julide Tanriverdi
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via Chebli Mohamed
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