lundi 7 septembre 2015

Der Weinbotschafter

 Man sitzt auf Barrique-Fässern, lehnt an der Muschelkalk-Bar und knabbert Mangalitzaspeck zum Muskateller. Das ist steirische Tapaskultur beim Albert

Die südlichste Bar von Graz
Bar Albert © Fotoatelier Robert Frankl

Bar Albert © Fotoatelier Robert Frankl

Wo früher edle Taschen verkauft wurden, blitzt in der Grazer Herrengasse jetzt die schwarze Berkel-Aufschnittmaschine. „Rot war immer die für die Gastronomie, gelb die für die Greißler“, zeigt sich Albert Kriwetz sattelfest im Detail. Denn er schneidet die besten Gourmandisen der Steiermark nach Deka auf. Antipasti-Portionen, die zu groß oder zu mickrig ausfallen, gibt es nicht. Willkommen in der Bar Albert! Der Grazer Genusskosmos hat vom Fleck weg sein Publikum gefunden.

Der lockere Zugang des Sommeliers, der sich unter anderem in der ausschließlichen Verwendung der stiellosen Riedel „O“-Gläser äußert, und die Lage gegenüber dem Landhaus sind zwei Gründe dafür. Dazu kommen die gut 300 Positionen der Weinkarte, „wobei der Winzer nicht immer so wichtig ist“. Lieber schreibt Kriwetz einfach die Rebsorten auf die Tafel. „Diese Basic-Glaserln sind immer das Beste eines Hauses bei uns“, so ließe sich auch kleinen Winzern, die sonst schwer in die Gastronomie finden, eine Bühne bieten.

Und was für eine! Man sitzt in der Herrengasse 11 auf Barrique-Fässern, die der deutsche Designer Magnus Mewes zu stylischen Hockern veredelt hat. Die Lampen wirken wie Weintrauben, und die Bar ist aus Muschelkalk, auf dem in der Südsteiermark und der anschließenden slowenischen Štajerska die besten Lagenweine wachsen. Das Achterl Colles von Hannes Gross oder der Hochgrassnitzberg der Gebrüder Polz kommt auf der Bar also wieder auf ihrem Boden zu stehen – eine schöne Symbolik.

Vinum Albert – der eigene Wein. Und dann gibt es noch den Spezial-Weinraum im ersten Stock. Denn Kriwetz’ Leidenschaft endet nicht beim Ausschenken seiner Lieblingsweine. Seit vier Jahren ist der Grazer Négociant. Négo. . . –was? Wie früher in Frankreich üblich, macht er als Winzer ohne Weinberg seine eigenen Weine. Vinum Albert, so der Name des Projekts, wurde mit Heribert und Patrick Bayer, den bekanntesten Négociant (In Signo Leonis, Neckenmarkt), gestartet. Aktuell ist der Vinum Albert Cuvée 2, die gemeinsame Abfüllung mit Manfred Tement, erhältlich. Im Keller reift bereits das Lesegut des nächsten steirischen Paradewinzers, Willi Sattler.

Doch wer die Bar Albert lediglich auf die Weine reduziert, begeht einen Fehler. Aus der Mirage-Veloce-Espressomaschine, die wie ein Motorrad wirkt, kommt der Kubik Caffé aus Triest, frische Säfte aus Obst und Gemüse („was der Markt am Kaiser-Josef-Platz saisonal hergibt“) sind auch zum Mitnehmen der Renner. Edelstes „Dosenfutter“, wie Kriwetz die Meeresfrüchte-Konserven aus Apulien scherzhaft nennt, kommt zwischen10 und 22 Uhr ebenso auf den Tisch wie der Hauschampagner Roederer. Und natürlich wird auch ganz bodenständig Speck und Käse gereicht, „wenn ein Gast Schwammerl gefunden hat, bereiten wir auch die gern zu“.

Roland Graf


Bar Albert

Herrengasse 11
8010 Graz

www.bar-albert.at
facebook/Vinum-Albert  und auch auf Instagram

 

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via Chebli Mohamed

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