Cate Blanchett © Getty Images
Cate Blanchetts Schauspielkarriere begann in Ägypten.
Meryl Streep wurde in ihrer fast 40-jährigen Karriere angeblich nur für vier Rollen abgelehnt. Eine davon soll die Hauptrolle in „Elizabeth“ gewesen sein. Diese ging an Cate Blanchett und verhalf der Australierin 1998 zum Durchbruch. Seither zählt Blanchett neben Streep zu den talentiertesten und wandelbarsten Schauspielerinnen Hollywoods. Sie überzeugte sowohl als spitzohrige Elfe in „Der Herr der Ringe“ als auch als Katherine Hepburn („Aviator“) oder Bob Dylan („I’m Not There“). Jon Stewart behauptete in seiner Oscar-Moderation, dass selbst der Pit Bull Terrier, der Javier Bardem in „No Country For Old Men“ jagte, von ihr verkörpert wurde. Auf ihre Vielseitigkeit angesprochen erwidert Blanchett bescheiden, dass sie wohl eines jener Gesichter hätte, das weder außergewöhnlich attraktiv, noch zu hässlich sei. Je nach Lichteinfall und Blickwinkel könne sie männlicher oder weiblicher aussehen. Doch es wird nicht ihrem Gesicht alleine zuzuschreiben sein, dass sie die einzige Australierin mit zwei Oscars ist.
Cate Blanchett ist vor allem für ihre gründliche Recherche bekannt. Um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie Queen Elizabeth I wirklich war, studierte sie die handgeschriebenen Briefe der Monarchin und rasierte sich die Stirn. Auf die Rolle der Katherine Hepburn bereitet sie sich vor, indem sie sich ihre Filme ansah, alles las, was je über sie geschrieben wurde und wochenlang mit einem Sprachcoach trainierte, um Hepburns Akzent zu perfektionieren. Außerdem lernte sie Tennis- und Golfspielen und duschte kalt. Denn auch dafür war Hepburn bekannt. Der Aufwand hat sich gelohnt und brachte Cate Blanchett ihren ersten Oscar ein. Heuer steht die Australierin erneut auf der Liste der Oscar-Nominierten und könnte für „Carol“ zum insgesamt dritten Mal mit einem Oscar ausgezeichnet werden. Trotz allem scheint der Ruhm der 46-Jährigen nicht zu Kopf gestiegen zu sein. Liv Ullman, unter dessen Regie sie als Blanche DuBois im Klassiker “Endstation Sehnsucht“ auf der Bühne stand, gerät ins Schwärmen, wenn von Blanchett die Rede ist. Sie habe sich selbst geschminkt und eingewilligt sich die Garderobe mit zwei männlichen Schauspielkollegen zu teilen. Und als ihr eine Bühnenrequisite auf den Kopf fiel und ihr Kostüm blutverschmiert war, lachte sie nur, und wollte weiterspielen (die Aufführung wurde aber aus versicherungstechnischen Gründen abgebrochen). Dabei hätte man ihr die kleine Verschnaufpause nicht einmal verübeln können, denn zu dem Zeitpunkt arbeitete die dreifache Mutter nicht nur als Schauspielerin, sondern leitete auch gemeinsam mit ihrem Mann, dem australischen Dramatiker und Drehbuchautor Andrew Upton, die „Sydney Theatre Company“. Noch dazu erfolgreich. Dem Paar gelang es sowohl das Theater zurück in die schwarzen Zahlen, als auch Stars wie Philip Seymour Hoffman oder Steven Soderbergh nach Australien zu bringen. 2012 gab Blanchett die Leitung aber wieder ab, um sich anderen Projekten widmen zu können. Allein 2015 stand sie für fünf Filme vor der Kamera, adoptierte eine Tochter und zog mit ihrer Familie von Australien nach Amerika – in das Geburtsland ihres Vaters.
Sie selbst wurde 1969 als zweites von drei Kindern in einem Vorort von Melbourne geboren. Ihre Eltern hatten einander dort kennengelernt, als das Schiff, auf dem ihr Vater Offizier war, eine Panne hatte und über Melbourne umgeleitet werden musste. Nachdem die beiden geheiratet hatten, fand Robert Blanchett heraus, dass er herzkrank war. Er starb im Alter von 40 Jahren an einem Herzinfarkt. Damals war Cate zehn Jahre alt. Kurz darauf zog ihre Großmutter ins Haus, um die Familie zu unterstützen. Als Kind war sie eigenen Angaben nach eine Mischung aus extrovertiertem Mädchen und Mauerblümchen. Sie trug burschikose Kleidung, durchlebte sowohl eine Goth- als auch eine Punkphase und rasierte sich sogar die Haare ab, was sie beinahe ihren Job im Altersheim gekostet hätte.
Cate Blanchett © Getty Images
Einen Job, den sie gerne machte. Seit sie 14 war. Ihre Liebe zur Schauspielerei entdeckte sie hingegen schon früher. Trotzdem wäre es ihr nie in den Sinn gekommen, diese zu ihrem Beruf zu machen. Stattdessen studierte sie Wirtschaft und Kunstgeschichte, brach das Studium aber nach nur einem Jahr ab, um zu reisen. Sie landete in Ägypten, wo sie einen schottischen Casting Director traf, der auf der Suche nach amerikanisch aussehende Statisten für einen ägyptischen Boxfilm war. Die Gage kam gerade recht. Und obendrein lockte er mit einer gratis Falafel. Also nahm Cate die Pom Poms in die Hand und feuerte den Hauptdarsteller halbherzig an. Dass sie den Film nie zu sehen bekam, bereut sie bis heute nicht. Trotzdem muss die Arbeit am Set etwas in ihr ausgelöst haben, denn nachdem sie nach Australien zurückgekehrt war, begann sie in Sydney Schauspiel zu studieren. Während ihres Abschlussjahres trat sie in einer Produktion von Sophokles Tragödie “Elektra“ auf. Ihre Schauspiellehrerin teilte sich damals mit dem Schauspieler Geoffrey Rush ein Haus, und überzeugte ihn davon, zur Premiere zu kommen, um sich Cate Blanchett anzusehen. Das tat er auch. Und war begeistert. So kam es, dass er 1993 neben ihr für David Mamets „Oleanna“ auf der Bühne stand und 1998 ihr Co-Star in „Elizabeth“ war, jenem Film, der Blanchett die erste von sechs Oscar-Nominierungen einbrachte.
Seitdem drehte sie rund 50 Filme und überraschte das Publikum immer wieder mit ihrer Risikobereitschaft und Vielseitigkeit. 2016 möchte sie etwas ganz Neues ausprobieren. Sie legt eine Pause ein, wahrscheinlich zum ersten Mal in ihrer Karriere, um sich voll auf ihre Mutterrolle konzentrieren zu können.
Kim Kopacka
Hier geht es zum Lebenslauf von Cate Blanchett
Hier geht es zum Lebenslauf von Meryl Streep
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via Chebli Mohamed
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