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Er gilt als einer der besten Schauspieler der Gegenwart. Doch trotz vieler Glanzrollen hat er das 34,29 Zentimeter große Goldmännchen noch nie bekommen. Mit „The Revenant – Der Rückkehrer“ sollte es ihm endlich gelingen…
Wird Leonardo DiCaprio den Oscar als bester Hauptdarsteller gewinnen oder nicht? Diese Frage beschäftigt derzeit nicht nur Hollywood, weltweit wird der diesjährige Entscheid mit Spannung erwartet. Fünfmal war der Schauspieler für den Oscar nominiert, fünfmal ging der 41-Jährige bisher leer aus. Dabei ist sich Hollywood einig, DiCaprio bietet schauspielerische Qualität wie kaum ein anderer seiner Generation. Auch für seinen aktuellen Film, „The Revenant – Der Rückkehrer“, hat er bereits viel Applaus bekommen. Die unfassbare wahre Geschichte des Trappers Hugh Glass inspirierte Regisseur Alejandro G. Iñárritu und Mark Smith zur Adaption des Drehbuchs. Perfektionist Iñárritu setzte durch, sein Epos nicht auf einer Soundstage zu filmen, sondern vor echten Naturkulissen inklusive eines Lawinenabgangs. Neun Monate lang wurde bei Eiseskälte in Kanada und Argentinien gefilmt: „Es waren die härtesten Dreharbeiten meines Lebens, ich stieß physisch und mental an meine Grenzen.“ Die eine Frage ist, ob die unerbittlich harte Arbeit den lang verdienten Goldjungen einbringt. Die andere Frage, die Hollywood beschäftigt: Wie steht es um Leonardo DiCaprio und Kelly Rohrbach? Seit vergangenem Sommer ist er mit dem blonden Supermodel liiert. Gerüchten zufolge sollen sie aber bereits getrennt sein.
Sie wussten, „The Revenant“ wird kein Honiglecken. Warum wollten Sie trotzdem mitspielen? Erstens dreht Hollywood Filme wie „The Revenant“ nicht mehr. Alejandro Iñárritus Vision war es unter anderem, nur bei natürlichem Tageslicht zu drehen. Das hieß, dass wir nur ein kleines Zeitfenster pro Tag für die Dreharbeiten hatten. Dementsprechend intensiv waren die Vorbereitungszeiten und Proben. Auch das habe ich noch nie erlebt, und die Rolle selbst war der Katalysator. Abgesehen davon, dass es Typen wie Hugh Glass heute gar nicht mehr gibt, musste ich zum ersten Mal mit minimalstem Dialog auskommen. Last but not least sind die sozioökonomischen Parallelen erschreckend. Zu Zeiten der Trapper waren Pelzhandel und der Goldrausch die ökonomische Motivation, doch wenn wir heute nach Südamerika, Asien oder Kanada blicken, werden weite Landstriche vernichtet, ganze Volksstämme ausgerottet und Bodenschätze ausgebeutet.
Die Produktion von „The Revenant“ war von einigen Schwierigkeiten begleitet. Inwiefern waren Sie von diesen Problemen betroffen? Geplant war, in den Wintermonaten in Calgary zu filmen. Schnee und Eis waren essenziell. Bloss die üblichen Schneefälle blieben aus. Die paar Zentimeter Neuschnee wurden vom Wind weggeweht. Deshalb mussten wir wochenlang pausieren. Am Ende blieb der Schnee gänzlich aus. Da soll noch einer sagen, den Klimawandel gibt es nicht. Um die Produktion zu retten, blieb Alejandro Iñárritu keine andere Wahl, als eine alternative Location mit Schnee, Eis und einem Fluss zu finden. Das ist der Grund, warum die gesamte Produktion nach Argentinien gewechselt ist, die Kosten explodiert sind und „The Revenant“ verspätet angelaufen ist.
In Argentinien sind Sie schließlich von einem anderen Extrem überrascht worden. Ja, wir versanken in Schnee und im Eis. In Argentinien filmten wir bei Temperaturen von minus 40 Grad. Nicht nur wir litten unter der Kälte, die Kameras funktionierten auch nicht. Unsere Crew baute einen achtarmigen Heizkörper, den ich Octopus nannte. Octopus war unser Lebensretter.
© 2016 Twentieth Century Fox
Wie schätzen Sie Ihre Überlebensfähigkeiten ein? Ich war in todesnahen Situationen und habe extreme Dinge wie Tiefseetauchen oder Sky Diving gemacht. Extremsportarten vermitteln einen Vorgeschmack auf Situationen, sind aber in keinster Weise mit jenen Bedingungen zu vergleichen, denen Trapper im frühen 19. Jahrhundert ausgesetzt waren. Teile Amerikas waren 1812 gesetzloses Territorium. Survival pur. Vom Mann-gegen-Mann-Kampf bis zum nackten Überleben in der rauen Wildnis. Nur die Härtesten kamen durch.
Die Natur hat in „The Revenant“ ihre eigene Stimme. Welche Geräusche sind Ihnen am liebsten? Das Rauschen des Waldes.
Wie gehen Sie mit Stille um, oder sind Sie jemand, der ohne Geräuschkulisse nicht leben kann? Stille ist mir sehr wichtig. Meiner Meinung nach werden die besten Ideen in der Stille geboren. Nicht, dass ich der spirituellste Mensch bin, aber Stille hat eine wohltuend befreiende Wirkung. Wir werden mit Geräuschkulissen zugeschüttet, da kommt man gar nicht dazu, einen klaren Gedanken zu formulieren. Für mich ist Stille wichtig, wenn ich Antworten und Lösungen suche.
Gibt es Plätze auf der Welt, die Sie inspirieren und wo Sie vielleicht auch niemand erkennt? Das ist zum einen das Gebiet am Amazonas – weit weg von aller Zivilisation. Meine erste Amazonas-Reise war wie eine Reise zurück in die Kindheit und „Jurassic Park“. Meine zweite Traumdestination ist Angkor Wat in Kambodscha. Die Tempel zählen zu den magischsten Bauwerken, die ich je gesehen habe und in denen ich mich problemlos verlieren könnte.
Welche Ziele habe Sie sich im Leben gesteckt? Der Klimaschutz ist eine Herzensangelegenheit von mir. Während der Dreharbeiten zu „The Revenant“ produzierte ich eine Dokumentation zum Thema Klimawandel. Ob Kanada, Südamerika oder Asien – das Szenario ist ähnlich bedrohlich wie in „The Revenant“. Ich hoffe, der Pariser Gipfel bringt die Nationen endlich auf einen gemeinsamen Nenner. Es ist fünf vor zwölf, und Politiker dürfen keine Zeit mehr verlieren, wenn sie unseren Planeten vor katastrophaler Erwärmung bewahren wollen. 2015 war das zweitheißeste Jahr in der Geschichte. Seit 20 Jahren steigt die jährliche Durchschnittstemperatur. Die Folgen sind eine Zunahme von Naturkatastrophen wie Dürre, Waldbrände und Hurricans. Die Langzeitfolgen des Klimawandels sind irreversibel, der Schutz unseres Planeten sollte daher jedem ein Anliegen sein.
© 2016 Twentieth Century Fox
Was können Sie uns über die Hintergründe Ihrer Investition in das Start-up „Diamond Foundry“ erzählen? Seit meinem Film „Blood Diamond“ (2006) beschäftige ich mich mit den ethischen, sozioökonomischen und politischen Dimensionen, die der Diamantenabbau in den Herkunftsländern verursacht. Sozialpolitische Unruhen und Ausbeutung natürlicher Ressourcen fallen bei der Herstellung eines Kulturdiamanten (nicht zu verwechseln mit synthetischem) weg. Kulturdiamanten sind Rohdiamanten gleichwertig, sie können als Juwelen und im Industriebereich verarbeitet werden. Das Gesamtpaket erscheint mir eine saubere Lösung und ist ausschlaggebend für meine Investition.
George Clooney hat in der Menschenrechtsanwältin Amal eine Partnerin gefunden, die seinen Aktivismus teilt. Wie wichtig ist Ihnen, dass eine Frau Ihr Umweltengagement teilt? Ohne jetzt ins Detail zu gehen, halte ich es für wichtig, Interessen zu teilen. Anders ist Partnerschaft auf Dauer nicht möglich. Ich erwarte ein gewisses Verständnis für Umweltschutz. Ich könnte mein Leben nicht mit jemandem verbringen, der den Klimawandel als Blödsinn abtut.
Stimmt es, dass Sie verlobt sind? Bei allem Respekt, aber mein Privatleben möchte ich in einem Interview nicht erörtern. Die Frage kann ich dahingehend beantworten: Gewisse Dinge im Leben kann man nicht planen. Aber in dem Moment, in dem man der richtigen Person begegnet, weiß man es. Ich bin glücklich, besondere Menschen an meiner Seite zu haben.
Wo sehen Sie Ihre persönlichen Meilensteine? Da stehen meine Familie und Freunde ganz oben. Was die Erfolge betrifft, strebe ich die Devise meines Vaters an: „Erfolg ist, wenn du in der Früh aufwachst und deine Hose anziehen kannst.“ Ich bin noch nicht ganz bei ihm, aber ich gebe mir Mühe.
Welche Rolle spielt Ihr Vater in Ihrem Leben? Mein Vater ist einer der belesensten, informiertesten und klügsten Köpfe, die ich kenne. Sein Einfluss ist unverkennbar in der Wahl meiner Rollen. Durch ihn fand ich Interesse an Rollen, die abseits des Mainstreams liegen, und ohne ihn hätte ich mit 17 Jahren nie zu einer Rolle wie Arthur Rimbaud gefunden.
Und wie stehen Sie zu Ihrer Mutter? Je älter sie wird, desto weniger nimmt sie sich ein Blatt vor den Mund. Beides trägt sie so stolz mit sich herum, als wäre es die allerhöchste Auszeichnung. Was dazu führt, dass ich ihre Direktheit ausbügeln muss. Vielleicht ist das auch eine deutsche Eigenschaft, denn meine Mutter ähnelt mehr und mehr meiner Großmutter, die eine Großmeisterin in Ehrlichkeit war.
Sehen Sie diese Eigenschaft auch an Ihnen? Und ob! Ehrlichkeit liegt in unserer DNA. Somit ist es unvermeidlich, dass ich eines Tages genau so wie meine Mutter und Großmutter sein werde.
Barbara Gasser
The Revenant – Der Rückkehrer
seit Anfang Jänner in den österreichischen Kinos
Gilbert Grape – Irgendwo in Iowa
am 24.2., um 20.15 Uhr auf TNT Film
Departed – Unter Feinden
am 29.2., um 20.15 Uhr auf TNT Film
The Beach
am 11.3., um 20.15 Uhr auf Sky Emotion
Hier geht es zum Lebenslauf von Leonardo DiCaprio
The post Leonardo DiCaprio: Endlich Oscar appeared first on BESSER - das Hollywood-Magazin.
via Chebli Mohamed
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