dimanche 21 février 2016

Nico Rosberg: Das Alles-oder-nichts-Jahr

Lewis Hamilton und Nico Rosberg

Lewis Hamilton und Nico Rosberg © Imago Sportfotos

Er gewann die letzten drei Rennen der vergangenen Saison – als es um nichts mehr ging. In Australien muss Jungvater Nico Rosberg zeigen, dass er seinen lange übermächtigen Teamrivalen Lewis Hamilton vom Start weg niederringen kann.

Der Winter des Nico Rosberg war ein Winter des Aufbruchs. Er selbst war vollgetankt mit Selbstvertrauen, mit Adrenalin, mit Zuversicht. Und: mit Liebe. Alaia heißt seine „neue Liebe“ – das ist ein Name aus dem baskischen und bedeutet so viel wie „Die Fröhliche“. Ende August ist seine Tochter in Monaco zur Welt gekommen, im selben Krankenhaus wie die Zwillinge des Fürsten von Monaco. Rosberg aber, der will 2016 König werden, endlich. Der 30-jährige Kosmopolit mit deutscher Lizenz fährt im besten Team der Welt, bei Mercedes GP; doch zuletzt hatte er bei seinem Stallrivalen Lewis Hamilton, dem extrovertierten Engländer mit Hang zu Hollywood, zwei Mal das Nachsehen. 2014 und auch 2015 – da aber konnte Rosberg am Ende der Saison noch wichtige Signale senden: Als Lewis schon als Champion feststand, gewann er noch die drei letzten direkten Duelle – und siegte in den abschließenden Rennen in Mexiko, Brasilien und Abu Dhabi.
Mika Häkkinen ist 47 Jahre alt und eine Institution. Kein anderer Pilot hat Michael Schumacher auf dem Höhepunkt von dessen Schaffen so zugesetzt wie der zweifache Weltmeister aus Finnland. Mika war als Freund von Rosbergs Vater, Keke, so etwas wie der erste Berater von Jung-Rosberg. Heute glaubt er daran, dass er aus dem Schatten seines Teamkollegen treten könnte: „Wenn er so fährt, wie er es am Ende der Saison getan hat und er sich nicht mit der Rolle einer Nummer zwei abgibt, dann kann er Weltmeister werden.“

Warum es für Nico Rosberg die wichtigste Saison seiner Karriere wird

Erschwerter Zugang zu den Fans. Diese drei Siege in Serie, die rein auf die Saison 2015 bezogen kaum Relevanz haben, sie könnten doch entscheidend für die Zukunft in diesem Stallduell sein, das als eines der härtesten aller Zeiten gilt. Die Geschichte ist schon jetzt reif für die große Leinwand: Nico und Lewis haben sich als knapp Zehnjährige kennengelernt, als Teamkollegen bei Kartrennen. Dort Hamilton, dessen Vater sich mit vier Jobs zeitgleich über Wasser hielt, der auf dem Sofa im Wohnzimmer schlafen musste und der in einer schäbigen Gegend nördlich von London groß wurde. Hier Rosberg, der Sohn des Formel-1-Weltmeisters von 1982, der im Privatjet zu den Kartrennen geflogen wurde, der in Monaco aufwuchs, Angebote von Eliteuniversitäten bekam, dort Aerodynamik zu studieren.

Nico Rosberg

Nico Rosberg © Getty Images

Der Background hat Rosberg einiges im Leben erleichtert – den Zugang zu den einfachen Fans aber erschwert. Als Kind eines reich gewordenen Vaters eignet er sich nur bedingt als Identifikationsfigur, als Volksheld. Auch nicht in Deutschland, dem Land, für das er startet, in dem er aber nie gelebt hat. Dabei ist Rosberg Junior einer der bescheidensten Typen im Fahrerlager, bodenständig, kommunikativ, aufrichtig und hilfsbereit. Aber eventuell auch zu weich? Zu oft, sagen Kritiker, habe er in entscheidenden Momenten eines Rennens, also meistens in der ersten Kurve, gegen den gnadenlosen Hamilton zurückgezogen und verloren.

Chancen richtig nutzen. (Zu?) offen ist er in Besprechungen. Teamchef Toto Wolff hat jahrelang davon geschwärmt, wie offen die auf der Strecke so streitenden Angestellten Hamilton und Rosberg am Strategietisch miteinander reden: „Ich glaube, in der Pension können sie wieder richtig gute Freunde werden. Dann, wenn die Zeit des direkten Wettkampfs vorbei ist.“

Nico Rosberg

Nico Rosberg © Getty Images

Doch das Duell Mann gegen Mann soll noch länger dauern. Dafür aber wird Rosberg Hamilton einmal dauerhaft besiegen müssen – sonst besteht die Gefahr, gegen einen neuen, jungen Piloten, der dann Lewis an die Leistungsgrenze treiben soll, ausgewechselt zu werden. Deshalb wird 2016 zum Allesoder-nichts-Jahr. Noch ein letztes (?) Mal darf man damit rechnen, dass der Mercedes-Silberpfeil der Konkurrenz von Ferrari und Red Bull Racing klar überlegen ist; wieder könnte sich dieses Duell um die Krone einzig und allein als ein interner Machtkampf der beiden Sternfahrer herausstellen. Doch dieses Mal muss Rosberg sich wehren, er muss zurückschlagen, er muss gewinnen. Hamilton, dessen Winter eine einzige Party zwischen New York, Hollywood, London, Paris und der Karibik zu sein schien, der mit den schönsten Frauen der Welt abtanzte und Dutzende von Songs schrieb, könnte dem größten Gegner eines Formel-1-Piloten erliegen: der Ablenkung. Die Chance für Rosberg, die dieser jetzt einfach eiskalt nutzen muss – aber sofort. Schon beim Saisonauftakt in Melbourne am 20. März muss der smarte Deutsche, der am Ende der vergangenen Saison im Qualifying klar dominierte, das machen, was er als zurückhaltender Sir nur ganz selten macht: Er muss schlicht ein Ausrufezeichen setzen!

GP von Bahrain in Sachir
1.–3. 3. auf Sky Sport/HD

GP von Australien in Melbourne
18.–20. 3. auf Sky Sport/HD

Alle Infos unter http://ift.tt/1KCWUwD

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via Chebli Mohamed

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