dimanche 21 février 2016

Anne Frank: Ein ganz normales Mädchen

Erstmals hat ein deutscher Regisseur die berührende Geschichte der Anne Frank verfilmt. Vor dem Hintergrund der aktuellen Flüchtlingskrise bekommt das Werk von Hans Steinbichler erschütternde Aktualität

Zwei Österreicher in zentralen Rollen mit dabei

Ich weiß, dass ich das alles nicht machen könnte, wenn ich ein Mädchen aus Syrien wäre“, sagt die 16-jährige Lea van Acken. Womit sie leichthin zusammengefasst hätte, warum ihre Darstellung von Anne Frank (im Bild: van Acken in ihrer Rolle), der tragischsten Tagebuchschreiberin der Geschichte, gerade jetzt so berührt. Hans Steinbichler, der Mann, der sie inszeniert hat, formuliert es so: „Auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise zeichnen wir den Flüchtling per se. Und das aus der Perspektive eines Tätervolkes, der Deutschen. Es ist geradezu beängstigend, wie gut dieser Film zur Situation in Deutschland passt.“ Die Franks, geflohen aus Deutschland, wähnten sich in Amsterdam sicher, mussten sich aber mit Verschärfung der NS-Judengesetze im Hinterhaus einer Firma von Freunden verstecken. Tochter Anne, selbstreflexiver und doch pubertierender Teenager, dokumentierte. Nach über zwei Jahren flog das Versteck auf. Alle bis auf den Vater starben im KZ. Der Anne-Frank-Fonds, der sämtliche Rechte der Familie verwaltet, hat nun (nach einer US-Version 1959) die Kinorechte an der Geschichte neu vergeben, erstmals an deutsche Produzenten. Der Regisseur Hans Steinbichler fand spannend, dass er mit Anne ein normales, erwachsen werdendes Mädchen vor sich hatte: „Sie hat darauf hingefiebert, endlich ihre Tage zu bekommen, sie wollte sich verlieben, sie fand ihre Mutter blöd und ihre Schwester langweilig.“

Gut und böse. Anne schreibt, wie sehr sie die Mutter (Martina Gedeck) verachtet und den Vater (Ulrich Noethen) lieber hat. Kein Wunder. „Sie konnte nie die Tür knallen und schreien: ,Mama, lass mich!‘“, lächelt Lea van Acken. Mutterkonflikte kennt sie von ihrer ersten Filmerfahrung: In „Kreuzweg“ 2014 gab die Österreicherin Franziska Weisz ihre erzkatholische Mama. Mit österreichischen Kollegen hatte Lea van Acken es auch hier zu tun. Die herzensgute Frau, die die Franks versteckt, wird von Gerti Drassl verkörpert. Aber wir können auch böse: Florian Teichtmeister spielt den Gestapo-Offizier, der die Hinterhausbewohner abtransportiert – ein leiser, aber brutaler Auftritt, der im Gedächtnis bleiben wird und der ihm einen „Und als Gast“-Titel im Nachspann verschaffte. „Ich finde ihn großartig und habe ihn sehr umworben“, erklärt Steinbichler. „Die Szenen waren ihm erst zu plakativ und er sagte mir ab. Also haben wir das Buch für ihn umgeschrieben und ihm einen Gaststatus versprochen.“

Das Tagebuch der Anne Frank 

Filmstart: ab 3. März 2016 im Kino 

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via Chebli Mohamed

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