House of Cards © 2015 MRC II Distribution Company L.P. All Rights Reserved.
Erstmals seit Beginn der Dreharbeiten vor vier Jahren lassen sich die „House of Cards“-Macher in die Karten schauen. BESSER traf Kevin Spacey und Robin Wright zum großen Talk über die Geheimnisse des TV-Hits.
Unbefugten ist der Eintritt verboten.“ Unübersehbar prangt der Hinweis auf dem Zaun. Der Securitymann wartet, bis ich meinen Ausweis zücke, überprüft meine Daten und drückt mir den Besucherpass in die Hand. Erst danach öffnet er den Schranken. Ich betrete das nach außen hin unauffällige Produktionsgelände von „House of Cards“, das „das bestgehütete Geheimnis von Maryland ist. Nicht einmal die Einheimischen, die täglich am Highway vorbeifahren, haben eine Ahnung, dass wir hier drehen“, versichert Showrunner (Anm.: in dem Fall „Chef vom Dienst“) Beau Willimon stolz.
Für alle Fans der Serie lüfte ich hiermit das Geheimnis: Die Location ist Edgewood. Exit 77, auf der I-95, eine gute Autostunde von Baltimore entfernt. Auf ganzen zwei Hektar breiten sich drei Produktionsstudios aus. Stage one beherbergt die White House Residence und das Oval Office. Zur Stage two gehören sowohl die hauseigene Tischlerei als auch das Art Department unter der Leitung von Steve Arnold. „Steve ist dafür verantwortlich, dass jedes Stück maßstabsgetreu nachgebaut ist, inklusive dem Original Oval Office im Weißen Haus.“ Sogar die Sicherheitsgurte mit dem Siegel in der Air Force One sind ident mit jenen im offiziellen Flugzeug des US-Präsidenten.
Produziert wird hier in Edgewood sieben Monate, sechs Tage in der Woche bei einem durchschnittlichen Arbeitstag von 14 bis 16 Stunden. Am Drehbuch feilen sechs Autoren ein halbes Jahr lang. „Ich nenne es die ,Season Bible‘“, sagt Beau Willimon, der mit dem Politthriller „Iden des März“ bekannt wurde. „Auf 60 bis 70 Seiten ist in groben Zügen die Handlung festgehalten.“ Die „Season Bible“ beschreibt den Spannungsbogen jeder Folge, erwähnt überblicksmäßig die Themen und die Entwicklung der Rollen. „Sind alle zufrieden, geht es ans Eingemachte. Jede Folge wird auseinandergenommen und zwei Wochen lang minutiös vorbereitet.“ Während es in den ersten drei Staffeln in „House of Cards“ um Macht als politisches Instrumentarium geht, konzentriert sich die vierte Staffel auf das Machtspiel zwischen Francis und Claire Underwood. In der Stage two befindet sich auch der White House Press Room, und hier empfängt mich Kevin Spacey alias Präsident Francis Underwood.
Die Frage, die einem auf der Zunge brennt, ist: Droht das Kartenhaus von Francis Underwood einzustürzen? Ich habe nicht die leiseste Ahnung.
Als Koproduzent sind Sie aber in die Handlung involviert, nicht wahr? Korrekt, was aber nicht gleichbedeutend damit ist, dass ich bis ins Detail in die Handlung involviert bin. In der zweiten Staffel erfuhr ich beispielsweise erst ab der Hälfte vom Ausgang der letzten Folge. Im Unterschied zum Film wird beim Fernsehen das Drehbuch während der Dreharbeiten umgeschrieben und verändert.
Haben Sie die Trennung vorhergesehen? Nein. Die Trennung sah ich deshalb nicht kommen, weil Claire und Frank als Powercouple und Drahtzieher brillieren. Die Dynamik ändert sich in dem Moment, als sie beide an die Macht gelangen und im Rampenlicht stehen. Plötzlich funktionieren die Regeln nicht mehr. Das eingespielte Team entfremdet sich – und damit bricht das Kartenhaus zusammen.
Wie gefährlich kann Claire für Frank werden? Man weiß nie, was Frauen als Nächstes tun. Claire hat sich von Frank alle taktischen Schachzüge abgeschaut. Wir werden sehen, ob sie ihn mit seinen eigenen Waffen schlägt
Frank Underwood rüstet zum Präsidentschaftswahlkampf, parallel zur „House of Cards“-Fiktion stecken die USA tatsächlich in der heißen Phase des Präsidentschaftswahlkampfs. Was schaut sich „House of Cards“ von der Realität ab? Ich würde meinen, es ist umgekehrt. Als sich Frank mit dem russischen Präsidenten traf, sahen nicht einmal Insider den Handshake zwischen Obama und Putin voraus.
Steckt in dieser Parallelwelt das Erfolgsgeheimnis? Es sind die Parallelen zwischen fiktiven und realen Ereignissen, die die Serie spannend machen. Sie führt hinter die Kulissen, aber die Faszination liegt in den Charakteren: Machtgierig, zwielichtig, das einzig Ehrliche ist ihre Intention, etwas zu ändern und ein Vermächtnis zu hinterlassen.
In der Realität sind Sie aufgrund Ihres persönlichen politischen Engagements auch kein Unbekannter im Weißen Haus. Verblasst eigentlich die Magie, wenn man so wie Sie tatsächlich hinter die Kulissen sieht? Egal, wie oft man im Weißen Haus ist, es ist jedes Mal etwas Besonderes, genauso, wie die Golden-Globes-Verleihung nie ihren Reiz verliert.
Robin Wright, die durch die Rolle der Kelly Capwell in der 80er-Jahre-Soap „California Clan“ bekannt wurde, gewann als Claire Underwood den Golden Globe Award in der Kategorie „Beste Hauptdarstellerin“ für die Dramaserie. Für diese Rolle in „House of Cards“ war die Ex-Frau von Sean Penn nun zum zweiten Mal nominiert. Vor ihrer Schauspielkarriere arbeitete die mittlerweile 49-Jährige als Model in Paris und Japan.
In der vierten Staffel stehen Sie abermals vor und hinter der Kamera. Wie fühlen Sie sich in dieser Doppelrolle als Hauptdarstellerin und Regisseurin? Natürlich ist es eine Doppelbelastung, doch die Chance, hinter der Kamera zu agieren, wird einem nicht jeden Tag angeboten. Anstrengend ist der zeitliche Mehraufwand, weil ich nach dem Abdrehen der Szene hinter die Kamera eile und mir die Aufnahmen ansehe, bevor wir zur nächsten Szene weitergehen. Bei einem Drehtag von 14 Stunden führt meine Doppelfunktion natürlich zu einem zeitlichen Mehraufwand. In der Praxis funktioniert die Doppelfunktion Schauspielerin/Regisseurin nur deshalb, weil Kevin und ich unsere Rollen im Schlaf kennen.
Ist es ein Zeichen weiblicher Macht, dass Claire Underwood aus dem Schatten ihres mächtigen Mannes tritt? Ich glaube schon, und die Fanbriefe bestätigen eine Stärkung der Position von Frauen.
Wie definieren Sie eine starke, moderne Frau? Eine moderne Frau ist dem Mann gleichgestellt.
Was haben Sie über Frauen in der Politik gelernt? Nicht die Geschlechterfrage wird in die Waagschale geworfen, sondern die Parteizugehörigkeit. In der Politik gewinnt der, der besser verhandelt. Politik war und ist ein Geben und Nehmen.
Sind Sie schon ins Weiße Haus geladen worden? Ich habe das Weiße Haus noch nie besucht. Doch habe ich gehört, die Obamas sind Fans von „House of Cards“.
Barbara Gasser
Hier geht es zum Lebenslauf von Kevin Spacey
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via Chebli Mohamed
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