dimanche 21 février 2016

Klaus Eckel: Wie Leben wir richtig? 2×2 Kabarett-Karten gewinnen!

Der erfolgreiche Kabarettist beschäftigt sich in seinem neuen Programm „Zuerst die gute Nachricht“ mit der wichtigsten aller Fragen – Prediger will er aber trotzdem keiner sein. Ein Gespräch über Fußball, die EM und das ewige Zweifeln.

Sein Geständnis: „Ich hätt gern weniger Mängel“

Wir reden heute über Fußball und das Leben – oder ist das ohnehin dasselbe? Für viele Leute, die nicht an Fußball interessiert sind, natürlich nicht. Aber natürlich spiegelt sich viel vom Leben im Fußball wider. Interessant zu beobachten ist, dass ganz normale Männer für 90 Minuten zu Berserkern mutieren, wenn sie auf der Westtribüne stehen.

Warum gehen Frauen so selten auf den Fußballplatz? Weil es dort eben nicht wahnsinnig feinsinnig zugeht. Und wenn man Kinder hat, überlegt man sich sehr genau, ob man für diese sehr spezielle Erweiterung des Wortschatzes ist, die der Besuch eines Spiels mit sich bringen kann.

Gehst du auf den Fußballplatz? Manchmal. Ich bin ein Austria-Wien-Anhänger. Die meisten meiner Freunde sind Rapidler, das große Leid meiner Jugend.

Klaus Eckel

Klaus Eckel

Wieso hast du dich für die Austria entschieden? Wahrscheinlich wegen meines Großvaters, der in Favoriten gewohnt hat. In diesem Zusammenhang kann man auch sehr gut über Monogamie sprechen. Von Männern behauptet man gern, dass sie nicht monogam sind. Dass kann man einem Mann – zumindest in Zusammenhang mit seiner Treue zu einem Klub – nicht vorwerfen.

Ist die Europameisterschaft für dich ein Thema? Natürlich. Ich schau mir alle Spiele an – das wird immer wieder ein Fest.

Gibt es einen Spieler, der dich besonders begeistert? Ich mag diese Unscheinbaren, diese Rackerer, zum Beispiel den Julian Baumgartlinger. Wenn er nicht wär’, dann würde es in der Defensive ganz anders ausschauen.

Hast du selbst Fußball gespielt? Ja, aber nur im Tor – das gilt eigentlich nicht.

Im Tor? Weil ich eine gute Reaktion hab – der Vorteil eines Tormannes ist, dass es kaum Schuldzuweisungen gibt. Ich spiel ja lieber Tennis als Fußball, weil ich dann die Verantwortung für meine Leistung hab. Ärgern mit zehn anderen ist immer ein Problem.

Was können die Österreicher bei der Europameisterschaft erreichen? Die Erwartungshaltung ist enorm – wenn’s danach geht, gewinnen wir alles . . . Natürlich kann es viel sein. Die Gruppenspiele waren phänomenal. Ich finde, die österreichische Nationalmannschaft zeigt so schön, wie Österreich funktioniert. Den Koller wollten sie vor seinem ersten Auftritt mit einem nassen Fetzen verjagen, alle, auch die sogenannten Fußballexperten . . . Und jetzt knien sie alle. Sehr österreichisch.

Du hast gesagt, du wirst versuchen, möglichst viele Spiele zu sehen – wenn du nicht auftrittst. Spielst du so viel? Im Moment schon. In diesem Jahr sind 170 Auftritte geplant.

Das klingt anstrengend . . . Ja, das ist schon viel, aber ich sage immer: Die meisten Menschen arbeiten bis auf fünf Wochen im Jahr jeden Tag. Jeden Tag Dachdecker zu sein ist viel anstrengender als jeden zweiten Tag Kabarettist.

Worum wird es in deinem neuen Programm, „Zuerst die gute Nachricht“, gehen, spielt Fußball eine Rolle? Eigentlich nicht, vielleicht schreib ich etwas hin, wenn es sich anbietet oder aufdrängt. Das große Thema ist das richtige Leben bzw. die Frage, ob man überhaupt ein richtiges Leben führen kann.

Klaus Eckel als Lebensberater mit Schmäh? Nein, das wäre absurd, dann würde ich ja nicht Kabarett machen, sondern als Prediger vor den Leuten stehen. Ich versuche zu erklären, dass man sich den Zweifel zum Freund machen muss. Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder der Zweifel macht dich fertig, oder du sagt, leben ist halt zweifeln. Auch, wenn wir uns auf manche Dinge sicher einigen können, die Schwerkraft zum Beispiel – wobei ich da auch im Programm sag, dass die Schwerkraft wahrscheinlich auch irgendwann Ländersache wird. Und dann gibt es neun verschiedene Schwerkräfte. Den Zweifel sieht man auch in der Flüchtlingsfrage: Kein vernünftiger Mensch kann zu 100 Prozent sagen, was richtig oder falsch ist. Wir haben so viel Information. Du kannst jeden Gedanken auf Google eintippen, und es gibt irgendeinen Trottel, der das auch denkt – du musst nie dein Weltbild ändern. Wenn du „Niederösterreichische Hobbits sind schuld an Klimawandel“ eingibst, findest du neun Treffer auf Google.

Wie findet man dann heraus, was wahr ist oder was nicht? Die Hobbits sind es ja höchstwahrscheinlich nicht. Wer weiß . . .

Gehörst du zu den Kabarettisten, die bis zum letzten Tag schreiben? Ja, schon. Ich ändere jeden Abend Sachen. Beim vorigen Programm, das habe ich drei Jahre gespielt, 500 Vorstellungen, habe ich am letzten Abend noch Sachen verändert, Kleinigkeiten, ich bin halt Perfektionist.

Hat das etwas mit den Zweifeln zu tun? Ja, ganz sicher. Weil ich weiß, dass es immer noch besser geht.

Willst du etwas erreichen? Ich freue mich, wenn die Leute nach der Vorstellung kommen und sagen, dass das Programm lustig ist, aber deppert is’ net. Nur missionarisch und g’scheit will ich nicht sein.

Wie merkst du, dass es den Menschen gefällt? Unmittelbar durchs Lachen, ich habe aber auch eine Stelle im Programm, die berührend ist, ich lös das eh mit einem Witz auf, aber da merke ich, dass mir die Leute zuhören, das spüre ich richtig, das passt.

Gibt es für dich eine Humorgrenze? Ich habe viel in Deutschland gespielt, ich habe auch mehrere deutsche Kabarettpreise (u. a. 2014 Deutscher Kleinkunstpreis, Anm.) bekommen, ziemlich wichtige, habe aber wegen der Familie aufgehört, in Deutschland zu spielen. Ich habe mich ein Jahr darauf eingelassen, aber da gerät man in eine Maschinerie . . . Dagegen sind die Verhältnisse in Österreich paradiesisch.

Wenn du 170 Vorstellungen spielst, wann kommst du dazu, ein neues Programm zu schreiben . . . Dazwischen.

. . . oder so etwas wie Après-Ski für den Thomas Mraz? Das mit dem Mraz habe ich immer wieder nebenbei geschrieben. Und dann hab ich den Niavarani auf Zakynthos getroffen und ihm von meiner Idee erzählt. Er war total begeistert und hat gesagt: „Ich produzier das.“ Und dann haben wir mit dem Thomas Mraz geredet. Sehr schön war das, der Kabarettistenjob hat ja auch etwas furchtbar Einsames, du schreibst allein, du stehst allein auf der Bühne.

Klaus Eckel

Klaus Eckel

Wie schaut ein normaler Tag im Leben des Klaus Eckel aus? Im Moment sehr schreibintensiv, sehr probenintensiv, sehr kinderintensiv.

In deinem neuen Programm geht es auch um kognitive Dissonanz, hast du schon verraten. Genau – darum, wer man ist, und wer man gern wär’, und wie man das Türl dazwischen zukriegt.

Bist du der, der du sein wolltest? Nein, null. Sonst könnte ich es ja gar nicht thematisieren. Natürlich habe ich ein Bild von mir . . .

Wie schaut das aus? Ich hätte gern weniger Mängel, ich wäre gern ein super Schauspieler, ich hätte gern ein paar von meinen negativen Eigenschaften weniger, die Ungeduld zum Beispiel, die Impulsivität und einiges mehr.

Das Programm heißt „Zuerst die gute Nachricht“ – was ist die schlechte? Ich fange hoffnungsvoll an und höre hoffnungsvoll auf. Dazwischen zeige ich unter anderem, wie die Abnormalität zur Norm wird, weil nur mehr sie gezeigt wird.

Das klingt schon ein bisschen nach einem Propheten. Natürlich, da kann ich gar nicht anders.

Wolfgang Wieser

Teilnahmeschluss “Klaus Eckel Gewinnspiel”: 23.03.2016

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Klaus Eckel /// Biografisches

Der Klosterneuburger spielt seit zwölf Jahren Kabarett und wurde dafür mehrfach ausgezeichnet. Sein neues Programm, „Zuerst die gute Nachricht“, ist bis zum Sommer ausverkauft. In Michael Niavaranis Globe Theater wird er am 2. April auftreten. www.globe.wien

Klaus Eckel ist seit acht Jahren mit einer Spanierin verheiratet, die er tatsächlich nach einer seiner Kabarettvorstellungen kennengelernt hat. Die beiden haben zwei Kinder (ein Mädchen mit fünf Jahren, einen Buben mit eineinhalb).

Alle Termine und Spielinfos zum neuen Programm auf klauseckel.at

Gewinnspiel

Gewinnen Sie 2×2 Karten für die Vorstellung am 2. April im Globe-Theater.

Klaus Eckel Gewinnspiel

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via Chebli Mohamed

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