© Peter Weihs, Sabrina Simader
Ihr Outfit: bunt. Ihre Haut: schwarz. Ihr Element: weiß. Eine 17-Jährige aus Kenia will Österreichs Skipisten erobern. Tipps dafür holt sie sich vom besten Skifahrer der Gegenwart, von Marcel Hirscher
Oberösterreich im Winter 2001: Ein dreijähriges Mädchen steht in St. Johann am Wimberg das erste Mal auf Ski. Es ist kalt. Es ist nass. Das Mädchen weint. Es ist Sabrina Simader. Sie ist im rund 6000 Kilometer entfernten Kenia geboren und gerade erst nach Österreich gekommen. Doch der erste Schreck ist schnell verflogen. Sabrina ist von der Winterlandschaft fasziniert, der weiß glitzernde Schnee zieht das Mädchen mehr und mehr in seinen Bann. Ihr Mühlviertler Adoptivvater Sepp Simader bringt ihr das Skifahren bei. Sie liebt die Geschwindigkeit, bestreitet schon bald erste Rennen. Ihr Vater erkennt ihr Talent und vertraut Freunden früh seinen Traum an: „Vielleicht wird die Sabrina die erste kenianische Schiläuferin bei Olympischen Winterspielen!“
Start in der Schladminger Skihauptschule
Einfach ist es für Sabrina nicht. Oft muss sie am Start abschätzige Blicke der anderen Kinder einstecken und bei boshaften Kommentaren über ihre Hautfarbe einfach weghören. Von ihrem Weg abbringen lässt sie sich davon nicht. Nach der Volksschule wechselt sie in die Schladminger Skihauptschule. Eine Talentschmiede, in der schon viele ganz große rot-weiß-rote Karrieren begonnen haben. Im Alter von 15 Jahren kann Simader bereits erste Erfolge verbuchen. Sie wird dreifache steirische Meisterin: Gold im Super-G, Gold im Riesentorlauf und Gold in der Kombination.
Im selben Jahr muss Sabrina den wohl größten und schmerzhaftesten Schicksalsschlag ihres Lebens hinnehmen. Ihr Vater Sepp stirbt mit 65 völlig unerwartet an einem Herzversagen. Für Sabrina und ihre Mutter Sarah bricht eine Welt zusammen. Die Mutter ist in dieser schweren Zeit die große Stütze. Und bleibt es auch. Jetzt ist sie es, die ihre Tochter ermuntert und auf ihrem Weg begleitet. Gemeinsam mit dem besten Freund des Vaters, Christian Reith, der ihr als enge Bezugsperson der Familie und als Trainer nicht von der Seite weicht.
Drei Jahre nach dem Tod ihres Vaters steht die mittlerweile 17-Jährige mehr als je zuvor im Leben. Sie trainiert Seite an Seite mit den Besten der Besten. In Abtenau in Salzburg bereitet sie sich auf die Wintersaison vor. Gemeinsam mit ihrem Konditionstrainer Gernot Schweizer, seines Zeichens niemand Geringerer als der private „Schleifer“ von Marcel Hirscher und Max Franz. Von Hirscher, dem besten Skifahrer der Gegenwart, holt sie sich Tipps für ihre Karriere. „Ich muss im Training voll ans Limit gehen. Gernot ist extrem hart, Faulheit geht gar nicht, aber wenn man ein Ziel vor Augen hat, ist das die größte Motivation“, sagt sie.
Dass sie es an die Weltspitze schaffen kann, davon ist auch Kondi-Trainer Schweizer überzeugt. „Sabrina ist ehrgeizig und sehr motiviert. Und sie hat Talent. Ihr großer Vorteil ist, dass sie vom Körperbau her hervorragend trainierbar ist. Wenn sie so diszipliniert weitertrainiert, können wir aus Sabrina eine Topläuferin machen.“
Die Arbeit ist knallhart. Damit aus Sabrina tatsächlich eine Topläuferin wird, stehen täglich sechs Stunden Konditionstraining auf dem Programm. Das beginnt am Vormittag auf der sogenannten und berühmt-berüchtigten „Blutwiese“ – auf einem steilen Hügel ist ein Parcours aufgebaut, in dem Sabrina Sprints, Klimmzüge, Hürdenläufe und Slaloms trainiert. Neben dem vielfältigen Konditionstraining muss sie natürlich auch möglichst viele Schneetage sammeln – sie startet für Kenia, besitzt auch noch die kenianische Staatsbürgerschaft.
Trainingsgemeinschaften mit anderen Nationen machen es jedoch möglich. Derzeit trainiert sie regelmäßig auf dem Mölltaler Gletscher in den Disziplinen Abfahrt, Super-G und Riesentorlauf. Im kommenden Winter will die mittlerweile 17-Jährige vielleicht auch FIS-Rennen in Angriff nehmen, für die sie bereits startberechtigt ist, und dort wertvolle Punkte sammeln.
Wertvolle Punkte, um ihren großen Traum wahr werden zu lassen: Starts im alpinen Skiweltcup und vor allem die Teilnahme an den Olympischen Winterspielen 2018 in Pyeongchang. Der Weg dorthin? Lang und hart, kalt und nass. Spätestens dann sollen wieder die Tränen fließen, diesmal aber Tränen der Freude.
Silke Hofstetter
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via Chebli Mohamed
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