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Saudade, die portugiesische Form des Weltschmerzes, prägt Lissabon. Aber die kleine Stadt am Rand Europas zeigt bei aller Nostalgie immer öfter ihr modernes Gesicht. Portugals Hauptstadt ist im Herbst einfach am schönsten
Wer die Stadt kennenlernen will, investiert zwei Euro und 85 Cent. Damit erhält man einen Fahrschein für die Carreira 28, die weltberühmte Straßenbahnlinie Lissabons. Den von den engen Gassen der Maurenzeit geprägten Stadtteil Alfama verbindet sie mit der „Unterstadt“ Baixa und den Vierteln Lapa und Prazeres. Nicht die schiere Länge, sondern vor allem die Steigungen von über 13 Prozent, und das zum Teil zeitlupenartige Tempo machen sie zum idealen Verkehrsmittel einer melancholischen Stadt. Denn unter den europäischen Hauptstädten ist Lissabon das Stehaufmännchen.
Vom Erdbeben 1755 schwer zerstört, hatte die Stadt am Tejo auch in diesem Jahrhundert nicht viel zu lachen. Als Hauptstadt des bis 1975 diktatorisch regierten Portugal sah man von hier aus zu, wie das Kolonialreich, ebenso wirtschaftliches Rückgrat wie auch Grund absurder Militärausgaben, zerfiel. 600.000 Einwohner zählt man heute, es waren aber schon 800.000, die in den historischen, vielfach zu engen Straßen wohnten. Und trotz der Abwanderung – wer sich in der Stadt befindet, flirtet ständig mit der Vergangenheit.
Nostalgische Ecken
Ein Überblick über die moderne Stadt lässt sich von der Standseilbahn Glória Funicular aus gewinnen. Sie verbindet die zentrale Praça dos Restauradores mit dem Bairro Alto, wo sich Touristen gleich auf den Turm São Pedro de Alcântara stürzen sollten. Das Palácio Ludovice, ein knapp vor dem großen Erdbeben errichtetes Palais, punktet mit seiner enormen Portwein-Kollektion (die Stadt im Norden erwähnt man ansonsten aber besser nicht in Lissabon!).
Was sich heute als aufgeräumtes Zentrum mit der Praça da Figueira im Mittelpunkt präsentiert, verdankt sich dem allgegenwärtigen Marquês de Pombal, der nach dem Erdbeben durchgegriffen hat. Der Chef-Minister sorgte für den rasterartigen Aufbau der neuen Straßen, Reste des alten Lissabon finden sich daher heute eher an den Rändern der geschäftig-modernen Baixa, wie in Belém oder der Alfama. Dorthin lockt auch jeden Samstag der große Flohmarkt auf dem Campo de Santa Clara (Feira da Ladra). Die Biobauern hingegen stehen mit ihren Waren im Stadtteil Príncipe Real. Ebenfalls ziemlich trendy bei den Bewohnern Lissabons ist der Vintage-Markt, der jeden Sonntag in der LX-Factory in der Rua Rodrigues de Faria stattfindet.
Traurige Helden in Belém
Die Vergangenheit zieht immer noch; eines der bestbesuchten Museen der Stadt ist das Museu de Marinha (http://museu.marinha.pt) im Stadtteil Belém. Zwischen Schiffsmodellen und Wasserflugzeugen lässt sich das größere Portugal erahnen. Als Teil des Hieronymus-Klosters (Mosteiro dos Jerónimos) erinnert das Museum an die koloniale Vergangenheit, aber auch an Haudegen wie den Flugpionier Sacadura Cabral. Auch die Gallionsfigur, die Vasco da Gama nach Indien begleitet hat, steht im Marine-Museum. Der Leichnam des im Nationalepos „Os Lusíadas“ verewigten Seehelden wurde im Kloster bestattet. Da Gama ist einer der wenigen glücklichen Helden Lissabons: Er ist als Vizekönig von Indien gestorben. Luís Vaz de Camões, der Dichter der schon erwähnten „Lusiaden“, dessen Todestag heute Portugals Nationalfeiertag ist, wurde hingegen im anonymen Massengrab verscharrt. Sacadura Cabral wiederum kehrte von seinem Flug nach England 1924 ebenso wenig zurück wie Jahrhunderte zuvor der junge König Sebastião, der in Afrika ein portugiesisches Reich erobern wollte.
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Vielleicht ist auch deshalb der Torre de Belém bis heute das Wahrzeichen der Stadt – die ehemalige Hafenbefestigung wirkt heute noch, als würde man auf die Rückkehr der Karavellen (so ein Romantitel von António Lobo Antunes) warten. Doch Lissabon hatte mitunter auch Glück: Einer der größten Schätze etwa kam mehr oder weniger zufällig nach Portugal. Die 6000 Exponate des Ölmagnaten Calouste Gulbenkian, die u. a. bedeutende orientalische Kunstwerke umfassen, wurden in einem eigenen Museum beisammengehalten. Der Park dieses Tourismusmagnets (http://ift.tt/1wh5sRt) stellt nach wie vor einen Ort der Ruhe mitten im Zentrum dar.
Fusion-Küche für Foodies
Die große Vergangenheit als Weltumsegler und Kolonialmacht hat jedenfalls ihre kulinarischen Spuren hinterlassen. Historisch stellte die Ernährung der Seefahrer eine der ersten echten Fusionsküchen der Welt dar: So galten die Rezepte aus Goa, mit ihren portugiesischen Einflüssen wie dem Fleisch in Essig (Vindaloo), als die besten Indiens, auch die Verwendung afrikanischer Gewürze im fernen Macao an der chinesischen Küste verdankt sich den Mitbringseln der Portugiesen (die die Stadt immerhin erst 1999 an China übergeben haben). Und so lässt sich heute das „Zicklein mit sieben Gewürzen“ bei Jesus é Goês verkosten oder ein Piri-Piri-Huhn beim „Hendlkönig“ Bonjardim in der Nähe der Praça dos Restauradores bestellen.
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Der größten Ex-Kolonie, Brasilien, wiederum verdankt das berühmteste Café der Stadt, unweit vom Largo do Carmo, seinen Namen. 110 Jahre wird das A Brasileira heuer, der Espresso, in Lissabon Bica genannt, zählt nach wie vor zu den besten der Hauptstadt. Der schmale Herr aus Bronze, der vor dem ikonischen Café sitzt, ist übrigens der Dichter Fernando Pessoa, der hier immer sonntags einzukehren gepflegt hat. Ein Spätzünder ist Lissabon lediglich bei den Food Courts, doch der im Mai des Vorjahrs eröffnete Mercado da Ribeira hat schnell die Herzen der Feinschmecker erobert. Von den Sardinen bis zum immer noch unterschätzten Wein des Landes bieten die 35 Stände alles, was das Portugiesenherz begehrt – und das bis Mitternacht, am Wochenende sogar bis zwei Uhr früh.
Nacht-Leben am Wasser
Bei so viel Geschichte vergisst man gern auf das moderne Lissabon. Parque das Nações (Park der Nationen) heißt das Viertel, das nach 1998 plötzlich da war und wie eine Mischung aus Shoppingmalls, Ausgehmeile, Kinos und Laufsteg wirkt. Das ehemalige Expo-Gelände hat sich in kurzer Zeit zum nächtlichen Fixpunkt der Flaneure entwickelt. Ebenfalls zum Abendprogramm gehört die kurze Bootsüberfahrt vom Cais do Sodré nach Cacilhas. Hier lässt sich der Sonnenuntergang genießen. Traditionell war Cacilhas ein Fischerdorf. Die Küche bietet heute noch von der Krabbencreme (Creme de Camarão) bis zum Nationalgericht Stockfisch (Bacalhau) vor allem Meeresgetier. Die Qualität schwankt allerdings sehr, eine gute Adresse, die nicht nur mit dem Ausblick punktet, ist das A Tira Tea o Rio (www.atirateaorio.pt). Wer lieber bei der Rückkehr – Fähren gehen bis halb ein Uhr nachts retour – speist, findet Gerichte aus Mosambique im Ibo gleich am Kai von Sodré (http://ift.tt/1WeZqy0).
Kaffee-Kultur aus Wien
Doch Lissabon kann auch anders, wie ein Besuch im Chiado, dem noblem Eck’ der Stadt, zeigt. Hier findet sich neben Luxusgeschäften so manch angesagtes Lokal. Und dass mittendrinn ein „Kaffeehaus“ angeschrieben ist, stellt keinen Sehfehler dar. Die Sachertorte-Enklave wurde von zwei Wienern gegründet (http://ift.tt/1FooBGn). Eine Ecke weiter findet sich in der Speisekarte des bekanntesten Restaurants der Stadt die Eroberung der nordafrikanischen Stadt Ceuta 1415 erwähnt. José Avillez, der mit dem Belcanto zwei Michelin-Sterne erkocht hat, widmet sein Überraschungsmenü – sieben Gänge um 145 Euro – nämlich den Entdeckern aus der portugiesischen Geschichte (http://belcanto.pt/en).
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Wilder wird die Party im Bairro Alto, einer Mischung aus Designerläden und kleinen Lokalen, in denen nachhaltig produzierte Lebensmittel verkauft werden. Das Bica-me ist einer der typischen Vertreter. Weine aus ganz Portugal und den namensgebenden Kaffee serviert man ebenso wie leichte Gemüsegerichte. Sie geben die nötige Energie für die Nacht. Ganz kann man die Nostalgie auch im Nachtleben nicht abschütteln. Der chinesische Pavillon, Pavilhao Chinês, eine skurrile Ausschank mit Museumscharakter, zählt weiterhin zu den beliebtesten Lokalen. Man merkt: Ohne einen Schuss Geschichte geht’s in Lissabon nicht einmal in der Cocktailbar.
Teilnahmeschluss: 03.12.2015
In Portugals Hauptstadt trifft Urbanes auf Traditionelles. Wo wenn nicht in der Stadt der Sieben Hügel liegen Tradition, Kulinarik und Ästhetik so dicht nebeneinander. Auf den Spuren der alten Seefahrer oder doch lieber zum Surfen an den Strand, in Lissabon ist man überall in wenigen Minuten am Wasser. Mit BESSER schicken wir Sie auf die Reise, denn wir verlosen einen Städtetrip für zwei Personen inklusive Flug. Einfach mitmachen und mit etwas Glück erkunden und genießen Sie die Stadt vier Tage und drei Nächte lang!
Ihr Hotel
Das H10 Duque de Loule **** ist die perfekte Ausgangsbasis für Ihren Städteurlaub. Es liegt zentral im Stadtzentrum wurde im März 2015 eröffnet. Die Straße Praça Margues de Pombal ist nur 50 Meter von Ihnen entfernt. Sorgfältig renoviert und eingerichtet vom bekannten Innen-Architekten Lázaro Rosa-Violán: Traditionelle portugiesische Elemente kombiniert mit modernen und funktionellen Elementen.
Ihr Zimmer
Kategorie superior, modern und exklusiv eingerichtet mit Blick auf die Avenida Duque, inklusive Frühstück. Das 20 m² große Zimmer ist augestattet mit Doppelbett, LEDTV, Nespresso-Kaffemaschine, Minibar, Mietsafe, Klimaanlage, Bad wahlweise mit Dusche oder Badewanne inklusive WC. Außerdem gibt es eine MP3-Dockingstation und kostenloses WLAN sowie Highspeed-Internetzugang via Kabel im Zimmer.
Weitere Annehmlichkeiten
Der Transfer vom Flughafen zum Hotel und retour wird für Sie übernommen. Die Nutzung des Fitnessstudios im Hotel ist kostenlos. Freuen Sie sich auf exquisite Küche im À-la-carte-Restaurant Azul e Branco wo die portugiesische und spanische Küche vereint werden, einen Kaffee in der Bibliotheks-Bar Equestre oder genießen Sie die Chill-Out-Terrasse Limão.
Lissabon kennenlernen
Spätestens während der inkludierten City-Tour lernen sie die Stadt richtig kennen. Ein deutschsprechender Gästeführer holt Sie direkt von Ihrem Hotel ab und zeigt Ihnen die Hotspots der Stadt! Ebenfalls im Reisepaket enthalten ist eine Rundfahrt über Queluz bis Sintra, wo Sie das historische Zentrum und den Königspalast besuchen und von dort weiter nach Guincho, Cascais und Estoril reisen. Die Rückfahrt führt über die Costa do Estoril.
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via Chebli Mohamed
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